Letztes Update am Sa, 10.06.2017 17:49

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Terrorliste“ könnte Katars Banken unter Druck setzen



Abu Dhabi/Doha (APA/Reuters) - Saudi-ArabienSaudi-Arabien, Bahrain die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten haben die Konten von 59 Personen und zwölf Organisationen mit angeblichen Verbindungen zu Katar auf eine schwarze Liste gesetzt. Dies könnte katarische Banken unter Druck setzen. Denn ein signifikanter Teil ihrer finanziellen Mittel kommt aus der Region.

Katarische Banken verfügen derzeit über rund 60 Milliarden Riyal (14,71 Mrd. Euro) in Form von Kunden- und Bankeneinlagen aus anderen Golfstaaten, sagte der Bankanalyst der SICO Bahrain, Chiradeep Ghosh. Insgesamt betrug die Summe aller Einlagen katarischer Banken Ende Mai laut Zentralbank 753 Mrd. Riyal (184,60 Mrd. Euro).

Die Zentralbank der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ordnete lokale Banken nun an, die Geschäftsbeziehungen mit 59 Personen und zwölf Organisationen mit angeblichen Verbindungen zu Katar zu beenden und ihr Vermögen einzufrieren, teilte die Nachrichtenagentur Wam am Freitag mit. Außerdem wies sie die Banken an, alle Konten sorgfältig zu prüfen, die sie bei sechs katarischen Banken haben, darunter der Nationalbank von Katar (QNB), der größten Bank im Mittleren Osten und in Afrika.

Die sechs Banken, QNB, die Qatar Islamic Bank, Qatar International Islamic Bank, Barwa Bank, Masraf Al Rayan und Doha Bank, reagierten zunächst nicht auf diese Schritte.

Die vier arabischen Staaten hatten zuvor die selben Personen, darunter auch den geistlichen Führer der Muslimbruderschaft Jusuf al-Karadawi, und Organisationen wie „Qatar Charity“ und „Eid Charity“ auf eine „Terrorliste“ gesetzt. Dieser Schritt folgte auf den überraschenden Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Katar am Montag. Begründet wurde dies unter anderem mit Katars Verbindungen zu „Terrororganisationen“. Das Emirat ist seitdem in der Region weitgehend isoliert, der Landweg dorthin ist gesperrt, der Flugverkehr stark behindert.

Der Druck soll wahrscheinlich die finanziellen Mittel beschränken, die katarische Banken aus Saudi-Arabien, den VAE und Bahrain beschaffen hätten können, erklärte der Banker gegenüber Reuters. „Alle katarischen Banken werden um ihre Liquidität kämpfen und werden einen Aufschlag für die Mittelbeschaffung von außerhalb dieser vier Länder zahlen müssen“, sagte Ghosh.

Katarische Banken, wie alle in der Golfregion, sind von den Auswirkungen der niedrigeren Ölpreise betroffen, die die Finanzierungskosten in die Höhe schnellen und die Anzahl fauler Kredite steigen ließen. „Das ist besonders herausfordernd, denn sie sind nicht sehr liquide. Das Verhältnis von Krediten zu Einlagen liegt bereits jetzt über 100 Prozent“, schilderte der Bankanalyst.

In den vergangenen Jahren expandierten zudem einige Banken außerhalb des kleinen Marktes in Katar. Die Nationalbank QNB ist aus diesem Grund in Staaten wie Ägypten, der Türkei, Nigeria und den VAE mit eigenen Niederlassungen oder über Tochtergesellschaften präsent.

Banken der VAE würden die Regeln ihrer Zentralbank relativ leicht einhalten können, denn viele hatten bereits in der Vergangenheit Sanktionen gegen eine Reihe von Organisationen und Personen zu erfüllen, sagte ein weiterer Bankenexperte.




Kommentieren