Letztes Update am Di, 20.06.2017 11:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tansania - Sauberes Wasser, Trainings und Aufklärung als Hilfe



Musoma (APA) - „Früher musste ich das Wasser am Kopf von der drei Kilometer entfernten Wasserstelle holen“, erzählt Jane Samweli. Nun gibt es im Dorf Rwamkoma im Bezirk Butiama in Tansania, wo die 29-jährige Frau mit ihrem Mann und vier Kindern lebt, ein Bohrloch mit Wasserbrunnen - „mit sauberem Wasser, das nicht mehr abgekocht werden muss“, freut sich Samweli.

Außerdem ist die vierfache Mutter Mitglied einer Landwirtschaftsgruppe im Dorf. 30 Personen haben gemeinsam Maniok angebaut. Die Wurzelknolle der Maniok-Pflanze, auch Cassava genannt, ist eines der Hauptnahrungsmittel in Tansania. Die Wurzel ist äußerst nährreich und überdauert auch lange Dürreperioden - die in der Mara-Region am Victoriasee immer wieder vorkommen. Im September wird die erste Ernte erwartet, dann will die Gruppe auch Samen und Wurzeln weiterverkaufen - „und ein Einkommen generieren, damit wir uns Werkzeug kaufen können“.

Während Samweli und ihr Mann selbst nur die siebenjährige Grundschule absolviert haben, will das Paar, dass seine Kinder auch die Sekundarschule besuchen, damit sie bessere Zukunftsperspektiven als ihre Eltern haben. Die 13-jährige Tochter will Krankenschwester werden, die zehnjährige Lehrerin, der siebenjährige Bub Soldat, erzählen die Eltern stolz.

Bohrlöcher, Baumschulen, landwirtschaftliche Workshops und Trainings, Dorfgemeinschaftsbanken, aber auch Sensibilisierung über Geschlechtergerechtigkeit, HIV/Aids und weibliche Genitalverstümmelung (FGM) werden vom „Land zum Leben“-Projekt in mehreren Bezirken in der Mara-Region in Tansania durchgeführt. „Es ist die klassische Hilfe zur Selbsthilfe, die den Menschen ermöglicht, in ein besseres Leben zu starten“, sagt Franz Hehenberger, Geschäftsführer der österreichischen NGO „Sei so frei“.

Eine achtköpfige Gruppe im Dorf Komuge im Rorya District erhielt etwa eine Imkerei-Schulung inklusive modernem Equipment. „Den Honig verkaufen wir, 100.000 tansanische Schilling nehmen wir damit jährlich ein“, erzählt der 43-jährige Marwa Magesa Melkiory. Umgerechnet sind das rund 40 Euro. Gemeinsam mit seiner 38-jährigen Frau hat er acht Kinder, sieben Buben und ein Mädchen. „Wir haben auch Setzlinge bekommen und Bäume im Dorf gepflanzt“, sagt die Frau.

Ein wichtiger Bestandteil des Hilfsprogramms sind auch Wiederaufforstungsprojekte und die Gründung von Baumschulen. „Die Menschen in unseren Projekten haben verstanden, dass sie viel Verantwortung für die Natur haben“, konstatiert Hehenberger. 18 Baumschulen sind Teil des Projekts, an Schulen gibt es Umweltclubs. Schüler bauen am Schulgelände Setzlinge an, sind dann selbst für die Bäume und insbesondere regelmäßiges Bewässern verantwortlich. 200 Setzlinge haben beispielsweise Schüler der Makore Grundschule im Bezirk Butiama auf dem Schulgelände angepflanzt. „Das Hauptproblem ist die Wasserversorgung“, erzählt Schuldirektor Francis Milanzi. Oftmals müssen Kinder Wasser von zu Hause mitbringen, um die Bäume zu gießen.

Setzlinge bekamen auch die Schüler der Muhundwe Grundschule im Bezirk Rorya. Das Schulgebäude liegt zwar in der Nähe des Victoriasees, Wasserleitung gibt es aber keine. „Wir haben zahlreiche Bäume gepflanzt, weil wir zu wenig Wasser haben, ist es aber sehr schwer, sie regelmäßig zu gießen“, sagt Schuldirektor Liberath Shayo. Das ist eine der Herausforderungen der Schule. Eine weitere ist der fehlende Strom, der den am Gelände wohnenden Lehrern abends die Arbeit erschwert. Unterrichtet wird auch IT - „anhand von Bildern“, erklärt Shayo.

„Unser Hilfsprojekt besteht aus vielen einzelnen Mosaiksteinen, denn unsere Hilfe soll auch nachhaltig sein“, sagt Hehenberger. Ein Teil des Projekts ist beispielsweise die Aufklärung über weibliche Genitalverstümmelung (FGM). Beschneidungen der weiblichen Geschlechtsorgane sind in Tansania seit 1998 verboten, es drohen langjährige Haftstrafen. Dennoch werden sie regelmäßig heimlich vorgenommen, vor allem in den nördlichen und zentralen Gebieten des ostafrikanischen Lands. Wie viele Frauen in Tansania davon betroffen sind, ist unklar, Schätzungen reichen bis zu 40 Prozent in der Mara-Region.

Die 54-jährige Justina Kitambi wurde selbst als junges Mädchen vor der Heirat beschnitten. Heute klärt sie in Schulen über das grausame Prozedere auf. „Oftmals werden bis zu 30 junge Mädchen mit dem gleichen Messer beschnitten, dadurch werden auch Krankheiten wie HIV übertragen“, sagt die 54-Jährige. Über ihre eigene Beschneidung zu sprechen fällt ihr noch heute schwer, noch heute leidet sie unter den Folgen, hat Schmerzen. Ihren drei Töchtern blieb die grausame Verstümmelung erspart.




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