Letztes Update am So, 02.07.2017 10:18

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neue Eingreiftruppe in der Sahelzone für Europas Sicherheit



Bamako/Ouagadougou/N‘Djamena (APA/dpa) - In der Sahelzone verstecken sich islamistische Terroristen. Eine neue Eingreiftruppe der Anrainerstaaten soll Al-Kaida und anderen nun das Handwerk legen. Frankreichs Präsident Macron unterstützt den Plan.

Europas Sicherheit entscheidet sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zufolge auch in den sandigen Weiten der Sahara. Bei einem Gipfeltreffen der sogenannten G-5-Staaten der Sahelzone in Mali wollte Macron sich daher am Sonntag (2.7.) für eine Verstärkung des Kampfes gegen den islamistischen Terrorismus in der Region einsetzen. Die G-5-Staaten planen, dort mit einer neuen und bis zu 5000 Mann starken Truppe Extremisten zu bekämpfen.

Wer sind die G-5-Staaten?

Die 2014 ins Leben gerufene G-5-Sahel ist eine Gruppierung von fünf Sahara-Anrainern. Dabei sind die westafrikanischen Staaten Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Niger und der zentralafrikanische Tschad. Die Fläche der fünf Mitgliedsstaaten entspricht mit gut 5 Millionen Quadratkilometern gut 14 Mal der Größe Deutschlands. Mali, Burkina Faso, der Tschad und der Niger gehören einem UN-Index zufolge zu den 15 ärmsten Ländern der Welt.

Wieso ist die Sicherheit der Sahelzone auch für Deutschland wichtig?

Im Norden Malis und angrenzenden Gebieten der Nachbarländer sind islamistische Terrormilizen aktiv, die teils Al-Kaida die Treue geschworen haben. Solange die Sahelzone ihnen einen sicheren Rückzugsort gewährt, könnten sie von dort aus Experten zufolge auch Angriffe auf Ziele im nahen Europa planen. Zudem greifen sie immer wieder auch die UN-Friedenstruppe in Mali an, die den westafrikanischen Staat wieder stabilisieren soll. An der UN-Mission beteiligen sich derzeit auch mehr als 800 Soldaten der deutschen Bundeswehr, die in der nördlichen Stadt Gao stationiert sind. Der Niger ist zudem ein wichtiges Transitland für Migranten Richtung Europa.

Werden deutsche Soldaten in der neuen Anti-Terror-Truppe kämpfen?

Nein. Die Idee der Eingreiftruppe ist es, dass die G-5-Staaten selbst die Federführung im Kampf gegen den Terrorismus übernehmen. Der UN-Sicherheitsrat stimmte der Truppe im Juni zu. Die G-5 werden allerdings auf finanzielle Unterstützung angewiesen sein. Die Europäische Union hat zum Aufbau bereits 50 Millionen Euro Starthilfe zugesagt. Für die Europäer scheint der Reiz der G-5-Truppe auch darin zu liegen, dass es einfacher ist, örtliche Kräfte finanziell zu unterstützen, als selbst Tausende Soldaten dorthin zu schicken.

Wie gut sind die Streitkräfte der G-5-Staaten?

Das tschadische Militär gilt als die erfahrenste Truppe im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus in der Region. Die Streitkräfte Malis werden seit 2013 von Franzosen und einer EU-Mission geschult. An dieser sind derzeit auch rund 150 Bundeswehrsoldaten beteiligt. Der neuen gemeinsam Truppe fehle es bisher an wichtiger Ausrüstung, sagte der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian der Zetung „Le Monde“.

Und was machen Frankreichs Truppen in der Sahelzone?

Die frühere Kolonialmacht Frankreich hat in der Sahelzone eine bis zu 4000 Mann starke Anti-Terror-Truppe namens Barkhane stationiert - ausgestattet unter anderem mit Kampfflugzeugen und Helikoptern. Die Mission wird aus der tschadischen Hauptstadt N‘Djamena kommandiert und hält auch Einsatzkräfte im Niger und in Mali vor. Barkhane schult und unterstützt die örtlichen Streitkräfte; die Truppe gilt als schlagkräftigster und flexibelster Einsatzverband in der Sahelzone.

Welche Terrorgruppen sind denn in der Sahelzone aktiv?

Vor allem im Norden Malis treiben mit Al-Kaida in Verbindung stehende islamistische Terrormilizen und örtliche Rebellengruppen ihr Unwesen. Die Terrorgruppen Ansar Dine, Al-Mourabitoun und der Sahara-Ableger von Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI) haben sich im März unter der Führung von Ansar-Dine-Chef Ijad Ag Ghali zu einer neuen Koalition namens Unterstützergruppe für den Islam und Muslime zusammengeschlossen.

Wie steht es um die Stabilisierung Malis?

Ende 2012 hatten islamistische Extremisten und Tuareg-Rebellen im Norden Malis die Macht übernommen. Sie wurden 2013 von französischen Truppen zurückgedrängt, es folgte eine UN-Friedensmission zur Stabilisierung des Landes. Doch bis heute kommt es vor allem im Norden immer wieder zu Angriffen auf die malischen Streitkräfte und die UN-Blauhelme. Die Regierung in Bamako hat nur eingeschränkt Kontrolle über den dünn besiedelten und weitläufigen Norden.




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