Letztes Update am So, 02.07.2017 18:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Festspiele Reichenau: Zähes „Spiel der Sommerlüfte“



Reichenau (APA) - Arthur Schnitzlers letztes Bühnenstück „Im Spiel der Sommerlüfte“ steht - zum zweiten Mal seit 1991 - auf dem Programm der Festspiele Reichenau. Die - zähe - Inszenierung von Beverly Blankenship hatte Sonntagnachmittag (2. Juli) Premiere im Neuen Spielraum. (Die folgende Kritik bezieht sich auf die Hauptprobe vom Freitag, Anm.)

Eine großbürgerliche Sommeridylle wie aus dem Bilderbuch: kichernde bezopfte Mädchen springen in weißen Kleidern über die Bühne, die Dame des Hauses namens Josefa (Julia Stemberger) spaziert durch ein grünliches Labyrinth (Achtung, Symbolik!) und flirtet mit dem Kaplan Holl (Marcello de Nardo). Der Herr des Hauses (Miguel Herz-Kestranek) - ein anerkannter Bildhauer - verreist in die Stadt, die junge gastlich aufgenommene Verwandte Gusti (Maria Schuchter) verdreht dem jungen Arzt Felix (David Jakob), dem halbwüchsigen Sohn des Hauses (Tobias Reinthaller) und dem Zwillingsbruder des Geistlichen (ebenfalls de Nardo) den Kopf. Außerdem gibt‘s noch das patscherte, Volkslieder trällernde Dienstmädel Kathi (Fanny Altenburger).

So weit, so komplett das Personal für ein luftig-heiteres Spiel der Verwirrungen im nostalgischen Milieu der alpinen Sommerfrische. Doch nichts ist mit luftiger Interaktion. Statt prickelnder Dialoge sondern Josefa und Holl eine zeternde Schwadronage nach der anderen aneinander vorbei ins Leere ab, geifern die Herren allesamt recht unbeholfen um die Gunst Gustis, üben sich die jungen Leut‘ in klammen Heimlichkeiten wie im guten alten Jugendtheater. Dass Gusti sich beeilt, den mühsamen Schauplatz zu verlassen und ein Engagement als Schauspielerin in Innsbruck anzutreten, ist ihr nicht zu verdenken. Sie ist die Einzige, der ein Aufbruch gelingt.

„Unsere Figuren sind nicht unbeschwert, sie sind Schnitzlerfiguren am Rande des Abgrunds. Aber sie fallen nicht, sie dürfen weiterleben - und zwar mit einem Lächeln“, erläutert Blankenship im Programmheft. Wahrscheinlich liegt darin auch das Problem: dass wir es mehr mit Figuren zu tun haben als mit Charakteren. Figuren, die in den labyrinthischen Gängen ihre trägen Bahnen ziehen und einander am Gängelband halten. Happy End? Von wegen!

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(S E R V I C E - Festspiele Reichenau, Neuer Spielraum: Arthur Schnitzler, „Im Spiel der Sommerlüfte“. Regie: Beverly Blankenship, mit Miguel Herz-Kestranek, Julia Stemberger, Marcello de Nardo, Maria Schuchter, David Jakob, Tobias Reinthaller, Fanny Altenburger. Weitere Vorstellungen - alle ausverkauft - bis 4. August, Information: www.festspiele-reichenau.com)




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