Letztes Update am Mo, 03.07.2017 11:42

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Top-Ökonom - Vollbeschäftigung in Deutschland schon bis 2021 möglich



Berlin (APA/Reuters) - Führende Ökonomen halten das von der Union ausgegebene Wahlziel einer Vollbeschäftigung in Deutschland bis 2025 schon wesentlich früher für möglich. „Das Ziel der Vollbeschäftigung ist wichtig, auch wenn es bereits in der nächsten Legislaturperiode erreicht werden sollte und auch erreicht werden kann“, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) am Montag.

Die nächste Wahlperiode endet 2021, während CDU/CSU eine Arbeitslosenquote von unter 3 Prozent - unter der Vollbeschäftigung verstanden wird - bis 2025 anpeilen.

Bereits heute würden einige Regionen in Süddeutschland eine Arbeitslosenquote von 2 bis 3 Prozent aufweisen, sagte der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest: „Das zeigt, dass Vollbeschäftigung im Sinne einer Arbeitslosigkeit unter drei Prozent möglich ist“.

Derzeit liegt die Quote deutschlandweit bei 5,5 Prozent. „Von alleine wird Vollbeschäftigung sich aber nicht einstellen“, warnte Fuest, auch wenn die demografische Entwicklung helfe. „Auch bei sinkendem Arbeitskräfteangebot kann es zu Arbeitslosigkeit kommen, wenn die Menschen nicht richtig qualifiziert sind.“ Deshalb seien stetige Anstrengungen erforderlich, um das Bildungssystem zu verbessern.

Ähnlich sieht das DIW-Chef Fratzscher. „Das Problem heute, und mehr noch in zehn Jahren, sind nicht fehlende Arbeitsplätze, sondern ein zunehmender Fachkräftemangel“, erklärte er. „Bereits heute gibt es mehr als eine Million offener Stellen, die nicht gefüllt werden können.“ Dieses Problem werde in den kommenden Jahren zunehmen, wenn immer mehr Babyboomer in Rente gingen. „Das wird das Wirtschaftswachstum und damit auch den Wohlstand in Deutschland schwächen“, sagte Fratzscher. „Deutschland wird in den kommenden Jahren immer stärker von Zuwanderung aus anderen EU-Ländern abhängig sein, um offene Stellen zu füllen.“

Die Politik dürfe auch das Problem der Unterbeschäftigung nicht ignorieren: Nach wie vor arbeiteten zu viele Menschen in Teilzeit oder in prekären Beschäftigungsverhältnissen. „Oberste Priorität muss es sein, dass Arbeit sich wieder mehr lohnt und vor allem Frauen und Zuwanderer bessere Chancen im Arbeitsmarkt bekommen“, sagte Fratzscher.




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