Letztes Update am Mo, 03.07.2017 16:21

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Auch Tourismus-Saison wird Agrokor wohl nicht retten



Zagreb (APA) - Auch die erfahrungsgemäß besonders umsatzstarke Tourismussaison wird den schwer angeschlagenen kroatischen Einzelhandelsriesen Agrokor wohl nicht mehr retten können, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Umsatz bricht weiter ein, ausländische Urlauber kaufen lieber bei Mitbewerbern wie Lidl, deren Namen sie kennen, und auch heimische Kunden laufen in Scharen zur Konkurrenz über.

Die Umsätze der Konzum-Lebensmittelgeschäfte sind die wichtigste Cash-Quelle der Agrokor-Gruppe, und im Sommer spülte vor allem das Geschäft mit den ausländischen Touristen Agrokor viel Geld in die Kassen. Doch im vergangenen Jahrzehnt hat sich der deutsche Lidl-Konzern in Kroatien zu einer Großmacht entwickelt und Agrokor könnte bald der Vergangenheit angehören. Der Umsatz der Konzum-Märkte sei in den ersten fünf Monaten um 11 Prozent zurückgegangen und der Wert der Agrokor-Anleihen um mehr als 80 Prozent abgestürzt, schreibt Bloomberg am Montag.

Notanleihen sichern Agrokor zwar das Überleben während der Umstrukturierungsphase unter staatlicher Führung, aber das Unternehmen kann es sich nicht leisten, Kunden zu verlieren. Probleme mit den Lieferantenketten machen Agrokor in der Tourismus-Hochsaison besonders angreifbar.

Die Probleme reichen nach Ansicht des früheren Wirtschaftsministers Goranko Fizulic viel tiefer. „Konzum kann sein Geschäftsmodell nicht aufrechterhalten, weil es unter Beschuss geraten ist“, meint Fizulic, der jetzt als Analyst tätig ist. „Mit seinen hohen Verkaufsmargen und Mietkosten sowie den vielen Angestellten kann Konzum mit Lidl und anderen Konkurrenten nicht mithalten und wird Marktanteile verlieren. Der Konkurrenzkampf ist im Sommer noch härter, weil die ausländischen Kunden lieber in Geschäften einkaufen, die sie von zu Hause kennen.“

Der vom Staat eingesetzte Sanierungsmanager Ante Ramljak hat bereits eingeräumt, dass das Konglomerat nach der 15-monatigen Sanierungsphase unter staatlicher Leitung wohl nicht mehr in seiner jetzigen Form weiterbestehen wird. Die Agrokor-Muttergesellschaft werde wohl liquidiert und ihre drei Segmente - Einzelhandel, Lebensmittel und das Nicht-Kerngeschäft - verkauft werden, um die Inhaber der nun fast wertlosen Anleihen sowie Banken und Lieferanten auszuzahlen, sagte Ramljak in einem Interview Mitte Juni.

Inzwischen geht der Umbau des Konzerns weiter. 100 der rund 700 Konzum-Filialen in Kroatien werden geschlossen, kündigte CEO Slavko Ledic am 21. Juni laut einem Bericht des Nachrichtenportals Dnevnik.hr an. Man werde die Lieferantenkette anpassen und laufende Verträge einhalten, sagte Ledic und betonte, dass die Regale der Geschäfte gut gefüllt seien.

Ramljak führt einige von Agrokors Problemen darauf zurück, dass es noch immer wie ein Familienbetrieb geführt werde wie in seiner Anfangszeit vor 40 Jahren und nicht wie ein moderner Konzern. Unter dem Dach von Agrokor gibt es laut Ramljak in den Nachfolgestaaten des früheren Jugoslawien heute 143 Unternehmen, von denen es manchen finanziell ganz gut geht und anderen weniger gut. Priorität habe jetzt der Verkauf von Unternehmen aus dem Nicht-Kerngeschäft, darunter eine Gesundheitsklinik in Zagreb und vier Kinos in Belgrad.

Nahrungsmittelproduzenten und landwirtschaftliche Betriebe sollen zusammengefasst oder separat verkauft werden, ebenso die Einzelhandelsketten Konzum und Mercator.




Kommentieren