Letztes Update am Di, 04.07.2017 03:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Miles Mosley: Ein Bassman als „Rampensau“



Wien (APA) - Miles Mosley ist ein Freund des Effekt-Pedals. Angesichts der Tatsache, dass der Kalifornier einen akustischen Stehbass spielt, ist das nicht normal. Aber angesichts der Tatsache, dass es sich um den Ausnahme-Könner Miles Mosley handelt, ist das super. Denn damit gibt er bei seinen Konzerten ganz ordentlich Gas - so auch am Montagabend im vollbesetzten Porgy & Bess im Rahmen des Jazzfest Wien.

Miles Mosley ist kein klassischer Jazzer, der 37-Jährige ist vielmehr ein ganz unklassischer Fusion-Musiker. Sonst wäre es wohl auch kaum passiert, dass er u.a. mit Gnars Barkley, Christina Aguilera, Lauryn Hill, Everlast, Joni Mitchell, Jeff Beck und - ja - Kenny Loggins gearbeitet hat und z.B. mit Kendrick Lamar und Mos Def auf Tour gewesen ist. Nicht zu vergessen natürlich Kamasi Washington und Herbie Hancock, womit sich der Bogen zum Jazz wieder schließt.

Und Miles - der natürlich nach Mr. Davis benannt wurde - ist auch ein launiger Geschichtenerzähler: „Mein Vater hat mir gesagt, ich soll mehr Bass spielen und nicht dauernd singen - schließlich hat er so viel Geld in meine Bass-Stunden investiert“, meinte er amüsiert. Und legt gleich danach ein grandioses, jazziges Bass-Intro hin. Aber er kann wirklich alles an Stilen völlig stilsicher: Manche Songs klingen Pop-lastig, trotz klassischer Jazz-Besetzung seiner Band. Irgendwo dazwischen zitieren die Bläser das Strauss‘sche Zarathustra-Thema. Über allem strahlt die klassische „Rampensau“ mit dem notorischen Barett über den Kopf gezogen, einer Art Metall-Rüstungsteil auf dem rechten Oberarm, vor allem aber diesem souveränen Celentano/Belomondo-Aufreißer-Blick in Permanenz.

Und doch waren die stilleren Momente die intensivsten des Abends: etwa wenn Miles Mosley allein mit Drummer Tony Austin als Duo auf der Porgy-Bühne steht und dann auch noch am akustischen Bass Jimy Hendrix covert. Ein Geheimnis der Intensität: „Wir spielen alle schon zusammen, seit wir 14 waren. Wir sind ein Teil von West Coast Get Down“, skizziert Mosley sein nicht nur musikalisches Umfeld in Los Angeles. Aus diesem Biotop hat er auch einen Aufmunterungs-Song mitgebracht: „L.A. Won‘t Bring You Down“. Und vor allem die fetzige Abschluss-Nummer „Abraham“ - beide auf seinem beeindruckenden 2017er-Album „Uprising“ (Verve) zu finden.




Kommentieren