Letztes Update am Di, 04.07.2017 11:24

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Spanischer Versorger Gas Natural greift nach Portugals EDP - Kreise



Madrid/Düsseldorf (APA/Reuters) - In der europäischen Versorgerbranche könnte durch eine 35 Mrd. Euro schwere Fusion ein neuer Energieriese geschmiedet werden. Der spanische Gas- und Stromversorger Gas Natural sei an den portugiesischen Konkurrenten EDP mit einem Gebot herangetreten, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Die EDP-Aktie legte am Dienstag zeitweise um mehr als vier Prozent zu, während Papiere von Gas Natural ins Minus rutschten. Gas Natural teilte mit, man befinde sich nicht in Fusionsverhandlungen mit EDP. Die Portugiesen lehnten eine Stellungnahme ab. Eine Fusion der Südeuropäer könnte auch die Spekulationen um die deutschen Versorger E.ON, RWE & Co weiter anheizen.

Aus einem Zusammenschluss der beiden Unternehmen würde gemessen am Marktwert der viertgrößte europäische Versorger nach der italienischen Enel, der spanischen Iberdrola und der französischen Engie entstehen. Die Gespräche befänden sich allerdings noch in einem frühen Stadium, sagten die Insider. Die Geschäfte würden sich gut ergänzen. EDP hat sein Geschäft mit Ökostrom ausgebaut, während Gas Natural stark in der Stromerzeugung mit Kohle- und Gaskraftwerken ist. Gas Natural ist zudem in Chile und Mexiko vertreten, EDP in Brasilien und den USA.

Deutsche Versorger wie E.ON und RWE sind auf den Märkten in Spanien und Portugal nicht oder kaum vertreten. E.ON hatte vor zehn Jahren den spanischen Versorger Endesa für über 40 Mrd. Euro übernehmen wollen, das Bieterrennen jedoch gegen Enel und dem spanischen Konzern Acciona verloren. Zwar erwarb E.ON noch diverse Geschäfte in Südeuropa, allerdings hatten die Essener damit kein Glück. Der Konzern musste Milliardenabschreibungen vornehmen.

Der Vorstoß von Gas Natural könnte eine seit längerem erwartete Konsolidierung der europäischen Erzeugerbranche ins Rollen bringen. Die RWE-Ökostromtochter Innogy ist Insidern zufolge im Visier der französischen Engie. An der früheren E.ON-Tochter Uniper soll der finnische Fortum-Konzern interessiert sein. RWE hatte 2011 Fusionsgespräche mit dem spanischen Versorger Iberdrola geführt, die in letzter Minute scheiterten. Auch der durch die Aufspaltung geschrumpfte E.ON-Konzern ist mit einem Marktwert von rund 18 Mrd. Euro wesentlich günstiger als zu früheren Zeiten zu haben.




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