Letztes Update am Di, 04.07.2017 18:38

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tschechischer Theologe kritisiert Flüchtlingspolitik und Kirche



Prag (APA/KAP) - Der tschechische Theologe und Soziologe Tomas Halik hält die restriktive Flüchtlingspolitik der Prager Regierung für eine „Verleugnung des Evangeliums“. Halik äußerte sich lokalen Medienberichten (Dienstag) zufolge in einer Predigt in der Stadt Litomysl anlässlich des Nationalfestivals zu Ehren des dort geborenen tschechischen Nationalkomponisten Bedrich Smetana.

Halik kritisierte zugleich die Führung der katholischen Kirche in Tschechien, die die Ablehnung der Aufnahme jeglicher Flüchtlinge durch die Regierung gutheiße. Dabei zog er einen Vergleich mit Polen: „Die Bischofskonferenz in Polen hat dieser Tage betont, dass die Kirche zur polnischen Flüchtlingspolitik Nein sagen muss, auch wenn sie von 90 Prozent der Bevölkerung unterstützt wird“, sagte Halik. „Wir haben dem Evangelium zu folgen und uns nicht darum zu bemühen, in den Augen der politischen Macht gut dazustehen“, betonte der vielfach ausgezeichnete Theologe.

Halik warf den tschechischen Bischöfen vor, dem Evangelium und dem Papst untreu zu sein und nur nach dem Wohlgefallen des Staates zu streben. Es gehe nicht an, sich öffentlich hasserfüllt über andere Rassen, Kulturen oder Religionen zu äußern. Das führe in Richtung eines Fanatismus, der religiöse Symbole missbrauche. „Angst gebiert Aggression und Hass und darf deshalb keinen Platz im Herzen von Christen haben“, sagte Halik in seiner Predigt.

Hintergrund für Haliks Kritik waren wiederholte Aussagen katholischer Würdenträger in Tschechien, in denen sie sich gegen die Aufnahme von Flüchtlingen gewandt hatten. Unter anderem wegen des Streits um die Flüchtlingspolitik gilt das Verhältnis zwischen Halik und dem Prager Erzbischof, Kardinal Dominik Duka, seit geraumer Zeit als zerrüttet.




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