Letztes Update am Mi, 05.07.2017 07:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Österreichs Luftraumüberwachung vor Neuordnung



Wien (APA) - Österreichs Luftraumüberwachung steht möglicherweise vor einer Neuordnung. Während im Parlament der bereits zweite Eurofighter-U-Ausschuss ins Finale geht, wird im Verteidigungsministerium in diesen Tagen die Entscheidung über die Zukunft der heimischen Luftraumüberwachung getroffen.

Ob es dabei mit den Eurofightern weitergeht oder die in Österreich seit ihrer Einführung unpopulären Flieger ausgemustert und durch ein anderes System wie den schwedischen Saab Gripen ersetzt werden, soll demnächst feststehen. Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) hatte die Entscheidung für Anfang Juli angekündigt.

Laut Georg Mader, Österreich-Korrespondent der internationalen Militärfachzeitschrift „Jane‘s Defence“, kämen seriöserweise nur der Gripen oder US-amerikanische F-16 als Eurofighter-Ersatz infrage. Allerdings seien beide Modelle derzeit kaum zu bekommen. „Das neueste Gripen-Modell kostet kaum weniger als der Eurofighter und ist für Schweden und Brasilien ausgebucht“, erklärte Mader im Gespräch mit der APA. Man könnte also höchstens alte Gripen kaufen oder leasen, so Mader. Alte F-16 seien in Europa derzeit gar nicht am Markt. „Österreich könnte F-16 nur in den USA kaufen, von Trump.“

Der Militärluftfahrtjournalist ortet unter den heimischen Militärs aber ohnehin eine starke Gripen-freundliche Fraktion. „In Teilen des Verteidigungsministeriums gibt es immer noch das Gefühl, man hätte damals den Gripen und nicht den Eurofighter kaufen sollen.“

Mader selbst hält wenig von einem Ausstieg aus dem Eurofighter. Der Flieger sei besser als sein Ruf, und zum Teil würden einfach Unwahrheiten verbreitet, etwa dass der Eurofighter nachtfluguntauglich sei. „Das ist schmerzhaft, weil es Unsinn ist. Das Radar und alle anderen System funktionieren natürlich zu jeder Tageszeit. Was der Eurofighter in der Nacht nicht kann, ist per Infrarot identifizieren, weil das Infrarot 2006 rausgenommen wurde.“

Die Tranche 1, auf die Österreich nach dem Vergleich mit Eurofighter zurückgegangen ist, sei weder veraltet noch schlecht. „Das Problem sind die Geräte, die damals rausgenommen wurden. Dieses Flugzeug ist nicht tot, die Briten fliegen damit bis 2030 weiter. Der Eurofighter ist kein Klumpert und kein Schrott. Es ist eines der modernsten Flugzeuge, nur wir haben es halt in einer abgespeckten Variante.“

Auch die Eurofighter-Betriebskosten, die dem Heer nach eigenem Bekunden große Schmerzen verursachen, seien auch nicht das Problem. „Der Eurofighter kostet pro Flugstunde überall gleich viel. Das Problem ist unser kleines Verteidigungsbudget“, so Mader. Man werde die österreichischen Eurofighter-Modelle auch nicht so einfach verkaufen können. „Da sind US-Kryptoschlüssel und NATO-Technologie drinnen.“ Und der Eurofighter-Hersteller werde die Flugzeuge nach der Klage durch das Verteidigungsministerium wohl kaum zurücknehmen.

„Sollte das Aus für die Eurofighter verkündet werden, stellt sich die Frage, womit Österreichs Luftraumüberwachung bewerkstelligt wird. Eine Nachbeschaffung dauert ja Jahre.“ Die Anschaffung eines alternativen Systems mit 14 bis 16 Stück würde 1,0 bis 1,5 Mrd. Euro kosten, glaubt Mader. Dazu komme die Frage, ob sich die nächste Regierung an eine solche Entscheidung hält. „Dass man aus einem modernen Flugzeug nach einem Drittel der Betriebsdauer aussteigt, wäre international jedenfalls eine große Lachnummer.“

Viel dringender ist laut Mader die Entscheidung über den Ersatz für die seit 1970 eingesetzten Saab 105-Flieger, die aus Altersgründen spätestens 2020 Geschichte sind. Am besten geeignet seien hier die M345 und die M346 des italienischen Rüstungskonzerns Leonardo. Auf diesen Modellen würden österreichische Eurofighter-Piloten schon jetzt im italienischen Lecce Trainingsflüge absolvieren. Daneben kämen tschechische L-159 oder britische Hawks infrage.




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