Letztes Update am Mi, 05.07.2017 12:00

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Theaterfestival Avignon startet: Von Binoche bis Castorf



Avignon (APA/dpa) - Juliette Binoche, Katie Mitchell, Satoshi Miyagi und Frank Castorf: Es sind bekannte Namen, mit denen das Theaterfestival in Avignon sein dreiwöchiges Programm bespielt. Gezeigt werden über 40 Stücke, darunter mehr als 10 Uraufführungen. Texttheater und Politik stehen auch dieses Jahr wieder im Mittelpunkt.

Die Zeiten seien zu ernst, um aus der Kunst ein dekoratives Objekt zu machen, sagte Olivier Py, der seit 2013 an der Spitze des Festivals steht. Doch Politik sei nicht gleichbedeutend mit parteiisch und ideologisch. Das Festival beginnt am morgigen Donnerstag und dauert bis zum 26. Juli.

Mit der griechischen Sophokles-Tragödie „Antigone“ in einer Neuinszenierung von Miyagi wird das Festival im Ehrenhof des Papstpalasts eröffnet. Mit Spannung wird erwartet, wie der Japaner das Lehrstück über Demokratie verarbeitet hat. Miyagi ist bekannt für seine Mischung aus traditionellen japanischen Theaterformen und modernen Referenzen. In Avignon hat er 2014 das Publikum mit „Mahabharata“ begeistert, einem bekannten Epos aus der indischen Literatur.

Frank Castorf präsentiert „Die Kabale der Scheinheiligen. Das Leben des Herrn de Moliere“. Das knapp sechsstündige Drama führte der ehemalige Intendant der Volksbühne erstmals im Mai 2016 in Berlin auf. Das Stück basiert auf einer Vorlage des russischen Schriftstellers Michail Bulgakow und handelt von Intrigen am Hof von Ludwig XIV., denen der französische Dramatiker Moliere zum Opfer fällt. Bulgakow, dessen Werke fast alle von Stalin verboten wurden, bediente sich diesen historischen Stoffes zur Kritik an den Missstände in der Sowjetunion der 30er-Jahre.

Zu den schweren Stoffen des Festivals zählen auch „Unwanted“ von Dorothee Munyaneza. Darin behandelt die britische Tänzerin und Choreografien das Thema Vergewaltigung von Frauen und Kinder in Ruanda. Munyaneza wurde in Ruanda geboren und floh 1994 vor dem Bürgerkrieg.

Die britische Starregisseurin Katie Mitchell präsentiert ihre feministische Version der Tragödie „Die Zofen“ von Jean Genet. Mit leichterem Stoff tritt Juliette Binoche auf. Die Schauspielerin wird im Ehrenhof eine Lesung aus der Autobiografie der legendären, im Jahr 1997 verstorbenen französischen Chanson-Sängerin Barbara geben.

(S E R V I C E - www.festival-avignon.com)




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