Letztes Update am Mi, 05.07.2017 15:33

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tod zwischen den Fronten - Krankenhaus in Mosul oft unerreichbar



Genf (APA/dpa) - Im heftig umkämpften Westteil der irakischen Stadt Mosul (Mossul) sterben jeden Tag Menschen zwischen den Fronten, weil sie die einzigen beiden Krankenhäuser nicht erreichen können. Nur einige Dutzend Verletzte, die noch laufen könnten, hätten es in die vor zwei Wochen eingerichtete Klinik von „Ärzte ohne Grenzen“ im Südteil Stadt geschafft.

Das berichtete der Nothilfekoordinator der Organisation, Jonathan Henry, nach der Rückkehr aus Mosul am Mittwoch in Genf. Die Klinik liegt nur vier Kilometer südlich der Front. Eine Frau habe berichtet, ihre Enkelin sei verhungert, sagte Henrys Kollegin Stephanie Remion.

Ärzte und Pfleger hätten in der Klinik rund 100 Patienten versorgt, die Hälfte von ihnen Frauen und Kinder, so Henry. Viele Menschen hätten Granatensplitter- und Schusswunden, andere Verbrennungen durch Bombenangriffe und Knochenbrüche durch einstürzende Gebäude. Das Not-Krankenhaus in den Räumen einer früheren Praxis habe 25 Betten.

Nach den Berichten von Patienten kämpften Tausende Zivilisten, die noch immer in der Altstadt von Mosul festsitzen, täglich ums Überleben, sagte Remion. „Meine Enkelin ist verhungert. Mein Enkel wurde von einer Granate getroffen. Ich habe sie gemeinsam im Garten begraben“, habe eine ältere Frau bei ihrer Ankunft im Krankenhaus berichtet.

Seit Monaten versucht die irakische Armee mit einer Offensive, den IS aus seiner einstigen Hochburg zu verdrängen. Der Ostteil der Stadt wurde bereits befreit. Nach Angaben von Henry schätzen die Behörden, dass noch 40 bis 60.000 Menschen in Westmosul sind.




Kommentieren