Letztes Update am Mi, 05.07.2017 18:12

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Formel 1: Wolff: „Rivalität zwischen Hamilton und Vettel wird größer“



Wien (APA) - Der Kuschelkurs zwischen den Formel-1-WM-Rivalen Lewis Hamilton und Sebastian Vettel ist vorbei. „Der Kampf tobt“, hatte Mercedes-Star Lewis Hamilton gemeint, nachdem er vom Deutschen in einer Safety-Car-Phase während des jüngsten Grand Prix in Baku seitlich gerempelt worden war. Mittlerweile hat Vettel seinen Fehler eingestanden und sich für sein Fehlverhalten entschuldigt.

Doch damit ist der Vorfall wohl noch nicht abgehakt. „Es ist schon heiß hergegangen in Baku, emotional ist, glaube ich, die Sache ist noch nicht ganz ausgestanden. Die Rivalität wird immer größer, umso mehr die Meisterschaft sich zuspitzt“, meinte etwa Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff am Donnerstag im APA-Gespräch vor dem Österreich-Grand-Prix mit Blick auf die Fahrer-WM, die Ferrari-Hoffnungsträger Vettel 14 Punkte vor Vizeweltmeister Hamilton anführt.

Wolff selbst freut sich nach der dreijährigen Dominanz seines Rennstalls, in der Hamilton stets gegen seinen Teamrivalen Nico Rosberg um den Titel gekämpft hatte, über die neue Konkurrenz. „Es ist viel einfacher, nicht einen internen Fight zu haben, sondern einen Gegner auf Augenhöhe. Das Duell mit Vettel und Ferrari ist für den Sport eine super Geschichte und ein zusätzlicher Motivationsfaktor für uns“, erklärte der Wiener.

„Ferrari hat über den Winter einen richtig guten Job gemacht. Sie haben eine Auto gehabt, das vom ersten Test an richtig gut funktioniert hat. Das hat man auch optisch gesehen. Dazu haben sie mit Sebastian einen Mann, der schnell Autofahren kann. Und sie schaffen es, den Reifen ins Fenster zu bringen, und insofern fahren sie ganz verdient vorne mit“, lobte Wolff die Leistung der Scuderia aus Maranello.

Bei Mercedes ist das Fenster dagegen noch „schmäler als bei Ferrari. Der Reifen spielt in diesem Jahr die größte Rolle. Wenn du den Reifen in das richtige Fenster - operating window - bringst, dann hat der wirklich Grip. Das gelingt nicht allen Teams nicht auf allen Strecken. Das ist die Aufgabe, die wir am Freitag lösen müssen, um dann am Samstag ein Auto hinzustellen, das genau in diesem Fenster funktioniert“, erläuterte Wolff.

Für das Rennen am Sonntag in der Steiermark rechnet der 45-Jährige nun sogar mit zusätzlichen Gegnern im Kampf um die Spitze. „Ich glaube, dass es in Spielberg sogar ein paar andere Konkurrenten geben kann, weil Williams in den Jahren davor immer sehr stark war und Force India einen richtig guten Lauf hat im Moment. Aber sonst wird es wahrscheinlich wie in den Rennen davor zwischen Ferrari, Red Bull und uns entschieden“, meinte Wolff zur Ausgangslage vor dem Rennen auf dem Red-Bull-Ring.

Wolff reiste direkt von Paris in seine Heimatstadt. In der französischen Metropole fand am Dienstag ein Meeting der Motoren-Arbeitsgruppe statt, bei dem über das Antriebsreglement ab der Saison 2021 verhandelt wurde. Teilnehmer waren neben den aktuellen Herstellern Mercedes, Ferrari, Renault und Honda auch mögliche künftige Motorenlieferanten wie Porsche, Aston Martin, Cosworth, Audi, Alfa Romeo oder Ilmor.

Eine ganze Menge Hersteller waren am Tisch, alle jetzigen Lieferanten und dann viele mögliche zukünftige. Es war eine gute Diskussion, in welche Richtung das Reglement und die Technologie gehen sollte. Ich bin eigentlich happy mit dem Ausgang“, verriet Wolff.

Es schaut derzeit aus, dass es in Richtung Bi-Turbo-Motoren geht, die einen besseren Sound hätten. Dazu soll ein Einheits-KERS die Kosten für Kundenteams auf 12 Millionen Dollar (10,57 Mio. Euro) pro Jahr senken. Die endgültige Entscheidung über das künftige Motorenreglement fällt aber erst im Jahr 2019.

Bis dahin hofft Österreich, auch wieder einen Piloten in der Formel 1 zu stellen. D-Titelanwärter Lucas Auer könnte bereits beim Young Driver Test Anfang August auf dem Hungaroring in Mogyorod bei Budapest in einem Boliden der Königsklasse sitzen.

„Ich würde mich freuen, wenn der Luggi Auer an dem Young-Driver-Test teilnimmt. Er ist im Moment unser Leistungsträger in der DTM und hat diesen Test sicher verdient“, sagte Wolff über den 22-jährigen Tiroler. „Und dann muss man Schritt für Schritt gehen. Das Wichtigste ist, dass er die DTM erfolgreich zu Ende bringt. Pascal Wehrlein und Paul di Resta haben gezeigt, dass man auch damit den Sprung in die Formel 1 schaffen kann, und das ist deswegen der wichtigste Meilenstein.“




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