Letztes Update am Do, 06.07.2017 11:09

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ausgrabung der Uni Graz in Türkei wurde nicht verlängert



Graz/Ankara/Side (APA) - Archäologen der Universität Graz führen seit Jahren Untersuchungen am Osttor von Side in der türkischen Provinz Antalya durch. Für die geplante Fortsetzung im Sommer gab es aber keine weitere Grabungsgenehmigung. Projektleiterin Ute Lohner-Urban bestätigte eine Bericht von ORF Steiermark und vermutete gegenüber der APA den Grund in den Verstimmungen zwischen Österreich und der Türkei.

Nachdem die Forscher des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI) in Ephesos bereits im Herbst ihre Grabungen in der antiken türkischen Westküstenstadt Ephesos beenden mussten, ereilt den Forschern des Instituts für Archäologie der Uni Graz nun ein ähnliches Schicksal. Ende Juni habe man erfahren, dass die Türkei für weitere Grabungen der Grazer keine neue Bewilligung erteilt haben. „Ein konkreter Grund wurde uns nicht genannt, es dürfte aber wohl an den bilateralen Spannungen liegen“, schilderte die Projektleiterin.

Das Grazer Institut für Archäologie führt seit 2011 archäologische Untersuchungen an der Befestigungsanlage von Side und hier vor allem an der Befestigungsmauer und Toranlage im Osten durch. Die Forschung vor Ort war für jeweils vier bis sechs Wochen im Juli und August anberaumt. „In diesem Jahr haben wir die Erlaubnis für 16 Personen, davon acht Studierende beantragt“, schilderte Lohner-Urban.

Die Absage sei für die Projektleiterin „nicht ganz so überraschend“ gekommen. Was sie aber kränke, sei, dass andere Nationen, wie zum Beispiel ihre deutschen Kollegen, ihre Tätigkeiten weiter durchführen können. „Sie arbeiten auch an der Befestigungsanlage, allerdings in einem anderen Bereich“, so die Archäologin, die ein vom Wissenschaftsfonds FWF gefördertes Projekt in Side laufen hat. „Eine weitere Grazer Kollegin beforscht ebenfalls FWF-gefördert die römischen Skulpturen von Side. Vorerst werden wir nun die bisherigen Befunde auswerten, wir hoffen aber, dass sich die Lage wieder entspannt“, sagte Lohner-Urban. Für die Grazer Studierenden, die in Side Grabungspraxis sammeln wollten, ist damit die Chance vertan.

Erst Ende Juni hat Ephesos-Grabungsleiterin Sabine Ladstätter vom ÖAI der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) bekannt gegeben, dass die für den Sommer geplante Hauptgrabung im antiken Ephesos definitiv nicht stattfinden wird. Nachdem im vergangenen September die vorzeitige Einstellung der archäologischen Arbeiten in Ephesos durch das türkische Außenministerium veranlasst wurde, hoffe man aber noch auf den Herbst. In der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden antiken Metropole haben die österreichischen Grabungen mit einzelnen Unterbrechungen seit mehr als 120 Jahren stattgefunden.




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