Letztes Update am Do, 06.07.2017 13:30

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Weltkulturerbe - FPÖ und ÖVP fordern Rücktritt Vassilakous



Wien/Krakau (Krakow) (APA) - Nachdem die UNESCO am Donnerstag die Wiener Innenstadt wie erwartet auf die Rote Liste der Weltkulturerbestätten gesetzt hat, gerät Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) einmal mehr ins Kreuzfeuer der Rathaus-Opposition. ÖVP und FPÖ forderten den Rücktritt der Ressortchefin. Kritik kam auch von den NEOS, vom City-Bezirkschef und dem Grünen Kultursprecher im Nationalrat.

FPÖ-Vizebürgermeister Johann Gudenus bezeichnete Vassilakou per Aussendung als „endgültig rücktrittsreif“, nahm aber die gesamte Stadtregierung in die Pflicht: „Dass Wien nun auf die rote Liste gesetzt wurde und ohne Änderung der Heumarkt-Baupläne bis Februar 2018 den UNESCO-Status endgültig verlieren wird, hat allein Rot-Grün durch ihr kurzsichtiges Agieren in Bezug auf dieses Projekt zu verantworten.“ Der Dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer (FPÖ) schloss sich der Rücktrittsforderung seiner Wiener Parteifreunde an.

Selbiges legte auch Wiens ÖVP-Chef Gernot Blümel der Stadträtin nahe. Denn Wien brauche endlich „Stadtplanung, die diesen Namen verdient und einer Weltstadt wie Wien auch würdig ist“. Rot-Grün mache die Stadt zum „Katastrophengebiet“, schlussfolgerte der Obmann der Schwarzen - denn im Rahmen der Welterbetagung sei vor allem über Kriegs- und Katastrophengebiete diskutiert worden: „So drohten unter anderem dem durch das Erdbeben von 2015 in Mitleidenschaft gezogene Tal von Kathmandu und der Festung und den Shalimar-Gärten von Lahore in Pakistan die Aufnahme in die Rote Liste.“

Verärgert zeigten sich auch die NEOS, die einmal mehr ein Bürgervotum zum Weltkulturerbe forderten. „Der Weltkulturerbestatus ist zu wichtig, als dass seine Aberkennung nur das Ergebnis eines chaotischen Vorgehens von Rot-Grün am Heumarkt sein darf“, konstatierte Klubobfrau Beate Meinl-Reisiniger. Die Pinken überlegen nun, im ersten Gemeinderat nach der Sommerpause eine Bausperre für das betreffende Areal zu beantragen. Diese solle aufrecht bleiben, „bis die Weltkulturerbefrage geklärt ist“.

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Vom Bezirksvorsteher der Innenstadt, Markus Figl (ÖVP), kam indes die Forderung an die Stadtregierung, „alle Schritte“ zu unternehmen, um das Weltkulturerbe zu erhalten. Figl befürchtet außerdem, dass weiteren Hochhäusern mit der Aberkennung Tür und Tor geöffnet würden.

Scharfe Worte kamen zudem von grüner Seite. Wolfgang Zinggl, Grüner Kultursprecher im Nationalrat und seit jeher lautstarker parteiinterner Kritiker des Heumarkt-Projekts, stellte in einer Stellungnahme gar die Vermutung an, dass sich die Stadtregierung bewusst vom Weltkulturerbe verabschiede, um im Sinne von Investoren hinderliche Auflagen der UNESCO loszuwerden.

Die Planungssprecher von SPÖ und Grünen, Gerhard Kubik und Christoph Chorherr, bedauerten zwar in einer gemeinsamen Aussendung die UNESCO-Entscheidung. Gleichzeitig demonstrierte man aber durchaus Gelassenheit. „Wien wird immer Weltkulturerbe bleiben, dafür werden wir Sorge tragen“, betonten die beiden Abgeordneten mit Verweis auf einen kürzlich erfolgten Gemeinderatsbeschluss, keine weiteren Hochhäuser in der City zu bauen. Die historische Bausubstanz sei wichtig und werde weiterhin erhalten.

Außerdem stünden derzeit 55 Welterbestätten auf der Roten Liste - darunter seit 1982 die Altstadt und die Stadtmauer von Jerusalem, seit 2010 die Kathedrale und das Kloster Gelati in Georgien oder seit 2012 die historische Hafenstadt von Liverpool. Dennoch besäßen alle Orte nach wie vor den Welterbestatus. Was den Heumarkt-Turm anbelangt, könne die Bauhöhe nicht das alleinige Qualitätsmerkmal für den Titel Weltkulturerbe sein. Kubik und Chorherr verwiesen einmal mehr auf die Vorteile des Vorhabens, u.a. auf die langfristige Absicherung des Eislaufvereins.




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