Letztes Update am Do, 06.07.2017 13:45

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Flüchtlinge - Ärzte ohne Grenzen kritisiert „Verhaltenskodex“



Wien/Rom (APA) - Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat am Donnerstag heftige Kritik an den EU-Plänen eines „Verhaltenskodex“ für im Mittelmeer tätige Nichtregierungsorganisationen (NGOs) einzuführen, geübt. Vielmehr „müssten sich die europäischen Staaten selbst einen ‚Verhaltenskodex‘ geben“, erklärte Mario Thaler, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich in einem Statement für die APA.

Denn eigentlich sei es die Aufgabe der EU und ihrer Mitgliedsländer, sich um die Menschen zu kümmern, die auf dem Mittelmeer in Seenot geraten - „nicht unsere“, so Thaler. „Außerdem ist es die Verantwortung der EU-Staaten, den Geretteten eine menschenwürdige Behandlung zuzusichern. Würden sie dieser Aufgabe nachkommen, würden wir uns sofort zurückziehen.“ Humanitäre Hilfsorganisationen wie MSF seien „täglich dazu gezwungen, die Lücken zu schließen, die die europäischen Staaten im Mittelmeer hinterlassen“.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen würden die Situation in Libyen „völlig unterschätzen. Derzeit herrschen dort Chaos und absolut menschenunwürdige und unzumutbare Bedingungen für Migranten und Flüchtlinge, das bezeugen unsere Teams, die in den Internierungslagern rund um Tripolis tätig sind. Libyen ist derzeit eine Hölle für Flüchtende, und es ist unrealistisch, eine kurzfristige Verbesserung vor Ort zu erwarten“, betonte der MSF-Österreich-Chef.

Zum Vorschlag, die libysche Küstenwache stärker miteinzubeziehen oder zu trainieren, zeigte sich Thaler pessimistisch. Das könne „ganz sicher nicht funktionieren“, da sie Teil des Problems sei. Die „libysche Küstenwache“, das seien in Wahrheit „ehemalige Milizen, die man in keinem Fall mit der regulären ‚Küstenwache‘ europäischer Staaten vergleichen kann. Für Ärzte ohne Grenzen komme es auch nicht in Frage, Sicherheitsbeauftragte mit an Bord zu nehmen. Das widerspreche den Prinzipien der Arbeit MSFs.




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