Letztes Update am Do, 06.07.2017 14:51

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prävention von Radikalisierung: Junge Leute im Fokus



Wien (APA) - In Österreich gibt es eine ganze Reihe von Programme und Maßnahmen zur Prävention von religiös motivierter Radikalisierung - und diese haben überwiegend junge Menschen im Fokus. Das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) hat 2016 ein eigenes Referat für diesen Themenbereich eingerichtet, die Stadt Wien gründete schon 2014 ein Netzwerk für Deradikalisierung und Prävention.

In Wien will man mit diesem Netzwerk Extremismus nicht nur, aber auch islamistischer Prägung vorbeugen. Als Vorsteher dieses Netzwerks hatte Kinder- und Jugendanwalt Ercan Nik Nafs Ende vergangenen Jahres auf die Bedeutung von Weiterbildung für jene Menschen hingewiesen, die mit Jugendlichen zu tun haben, die Gefahr laufen, aus der Mitte der Gesellschaft abzudriften. Anlass war die Präsentation eines Katalogs von Empfehlungen, die ein Expertengremium erarbeitet hatte. Zu den Themenkreisen gehören „Bildung und Resilienz“, „Religiöser Extremismus und Radikalisierung“ und „Politik und Strategie“. Für den Schulbereich wurde die Notwendigkeit erkannt, mehr in Psychologen und Sozialarbeit zu investieren und sich eine Weiterentwicklung des Religionsunterricht zu überlegen. Zuvor hatte eine in Wien durchgeführte Studie ergeben, dass in der sogenannten offenen Jugendarbeit betreute junge Muslime mehrheitlich nicht vor einer Radikalisierung gefeit sind.

Im Familienministerium existiert seit Ende 2014 eine „Beratungsstelle Extremismus“, an die sich Betroffene, deren Eltern oder andere Menschen in ihrer Umgebung wenden können. Für Anrufer steht eine Hotline (0800-20-20-44) zur Verfügung, Präventionsangebote werden speziell von Schulen laufend genutzt.

Über die Gründe für ein Abgleiten in religiösen Extremismus, die Ansatzpunkte für Präventionsarbeit schaffen, sind sich die Fachleute weitgehend einig: Die Suche nach dem Sinn des Lebens, mangelndes Selbstwertgefühl, die Suche nach Anerkennung durch „wahre“ Freunde, Perspektivlosigkeit und Schwierigkeiten in der Familie gehören dazu - also Probleme, die überwiegend jungen Menschen zugeschrieben werden, die mangels gefestigter Persönlichkeit anfällig für Manipulation und falsche Versprechungen sind. Die Radikalisierung erfolgt hauptsächlich über Social Media und über tatsächliche oder vermeintliche Freunde. Auch der Verfassungsschutz konstatierte, dass von dem Phänomen der Radikalisierung vor allem Jugendliche und junge Erwachsene betroffen sind und schrieb ebenso salopp wie markant von „PopDschihadismus“.

Nicht Prävention im eigentlichen Sinn, sondern Sensibilisierungsveranstaltungen gibt es in Haftanstalten, die ein „Nährboden“ für Radikalisierungsvorgänge sind. Die Justiz hat 2015 eine Task Force „De-Radikalisierung“ eingesetzt, die eine Reihe von Maßnahmen in den Bereichen Sicherheit, Betreuung wegen Terrordelikten inhaftierter Menschen sowie Fortbildung der Justizwache erarbeitet hat.




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