Letztes Update am Do, 06.07.2017 15:12

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mission „BepiColombo“ 2 - Starker rot-weiß-roter Wissenschaftsanteil



Graz/Noordwijk (APA) - Vom wissenschaftlichen Programm der Mission erwarten sich die Forscher revolutionäre Erkenntnisse über die Entwicklung von in der nächsten Umgebung der Sonne befindlicher Planeten und die Entstehung des Sonnensystems insgesamt. Der europäische „Mercury Planetary Orbiter“ (MPO) fokussiert dabei auf die Oberfläche und die Exosphäre des Planeten Merkur.

Unter anderem werden die Eigenschaften und chemische Beschaffenheit der Oberfläche analysiert, wie etwa das Wassereis in den in permanentem Schatten liegenden Kratern an den Polen. Es geht aber auch um die detaillierte Erforschung des Eigenfeldes und damit verbunden die Bestätigung von Modellen, die das Innere des Merkur beschreiben.

An Bord des MPO ist das IWF auch an Sensoren beteiligt. Dabei handelt es sich um ein Massenspektrometer für Ionen (Planetary Ion Camera PIC), das dazu dient, die Kette von Prozessen zu studieren, in denen Neutralteilchen aus dem Boden des Merkur herausgeschlagen, ionisiert und schließlich in die Umgebung des Merkur befördert werden.

Abgesehen vom starken rot-weiß-roten Wissenschaftsanteil an der Mission gibt es auch eine hohe Beteiligung der heimischen Weltraumindustrie an „BepiColombo“. Mit einem Auftragswert von 36 Millionen Euro ist diese laut Forschungsförderungsgesellschaft FFG rund doppelt so hoch als üblicherweise.

Hauptauftragnehmer ist die Wiener Weltraumfirma Ruag Space, die mit der „Lenkung“ für „BepiColombo“ einen entscheidenden Beitrag für die Mission gebaut hat. Es handelt sich dabei um vier hochpräzise einstellbare Positionsmechanismen für die elektrischen Triebwerke der Sonde und die dafür notwendige Steuerelektronik. Die vier mit Sonnenenergie versorgten Triebwerke erzeugen für den nötigen Schub für die lange Reise zum Merkur.

Neben dem Lenksystem lieferte Ruag Space auch die Steuerungselektronik für die Solar-Paneele, diverse Testausrüstung und die Thermoisolation. Letztere ist besonders wichtig für die Hochtemperatur-Umgebung beim sonnennahen Merkur. Sie muss die Sonde vor Temperaturen von bis zu 400 Grad Celsius schützen. Neben Ruag Space hat auch Siemens Österreich Aufträge für Bodenequipment für „BepiColombo“ erhalten, das bei Zusammenbau und Testung der Sonde zum Einsatz kam.

Und was machen die Grazer Forscher bis zum Oktober 2018? „Wir haben die Geräte abgegeben. Das Gesamtsystem wird noch einmal getestet. Wenn alles gut läuft, dann warten wir nur noch auf den Start - sonst wird es davor noch einmal sehr spannend“, so IWF-Leiter Wolfgang Baumjohann. Die ersten Messergebnisse der Mission nach rund sieben Jahren wird der Grazer Experte (geb. 1950) dann schon als Pensionist erleben.




Kommentieren