Letztes Update am Do, 06.07.2017 16:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EZB debattiert über Umgang mit ihrem schärfsten Schwert



Frankfurt (APA/Reuters) - In der Europäischen Zentralbank (EZB) gewinnt die Debatte über eine schrittweise Abkehr von der Politik des billigen Geldes an Fahrt. Angesichts des Konjunkturaufschwungs rückt nun verstärkt die Frage in den Blick, wie die Währungshüter künftig mit ihrem derzeit schärfsten Schwert umgehen sollen: ihrem riesigen Anleihenkaufprogramm.

Sie diskutieren mittlerweile darüber, ob sie eine weitere Ausweitung oder Verlängerung der Ankäufe ausschließen. Das geht aus den Protokollen zur EZB-Ratssitzung im Juni hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurden. Bisher hält sich die Notenbank diese Option für den Notfall noch offen. Ein Verzicht darauf im geldpolitischen Ausblick der EZB wäre ein weiteres Signal, dass sich die Finanzmärkte allmählich auf die Wende einstellen müssen.

Zuletzt sah der EZB-Rat allerdings noch gute Gründe dafür, sich der Möglichkeit einer zusätzlichen Lockerung nicht zu berauben. Jüngsten Informationen von Insidern zufolge könnte das Thema aber auf der nächsten Zinssitzung am 20. Juli auf den Tisch kommen. Die Euro-Wächter sind sich bewusst, dass dies ein heikles Manöver ist. Daher wird in den Protokollen zur Vorsicht gemahnt: Selbst kleinste Änderungen in der Kommunikation könnten bereits als Signal für einen grundlegenden Richtungswechsel überinterpretiert werden.

Aktuell erwerben die EZB und die nationalen Euro-Notenbanken monatlich Staatsanleihen und andere Wertpapiere für rund 60 Mrd. Euro. Die Käufe, mit denen die EZB die Konjunktur anschieben und die die Inflation anheizen will, sollen noch bis mindestens Ende Dezember fortgesetzt werden und dann ein Volumen von 2,28 Billionen Euro erreichen. Viele Experten erwarten, dass die Notenbank ihre geldpolitische Wende weiter in behutsamen Schritten vorbereitet. Das gilt insbesondere für die - vor allem in Deutschland umstrittenen - Anleihekäufe, die Notenbanken üblicherweise nur für Notfälle aus dem Arsenal holen. Frankreichs Notenbank-Chef Francois Villeroy de Galhau betonte am Donnerstag: „Geldpolitik in ihrer nicht-konventionellen Form ist nicht für die Ewigkeit.“

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