Letztes Update am Do, 06.07.2017 23:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


George Benson servierte „Cocktail-Jazz“ - ohne Cocktail, ohne Jazz...



Wien (APA) - Ein Jazzfest-Abend mit bestenfalls einer Prise Jazz, wenn überhaupt: „Guitar Man“ George Benson driftete Donnerstagabend in der Wiener Staatsoper hauptsächlich durch das seichte Wasser eines Kreuzfahrt-Band-Repertoirs. Meist sang er - im Stil eines besseren Lionel Richie-Imitators -, selten griff er zu seiner Ibanez-Gitarre.

Zum Sundowner auf einer westseitigen Terrasse vor dem rauschenden Meer und mit einer sanften Brise wäre der Auftritt eine nicht weiter störende Untermalung gewesen, etwa mit „Nothing‘s Gonna Change My Love For You“ in der Ultra-Schmuse-Variante; oder mit „Kisses In The Moonlight“ - wo sich allerdings auch gleich die Grenzen der Stimme des 74-Jährigen offenbarten. Eine Stunde lang bot George Benson seinen Fans wohltuend-einlullende Belanglosigkeiten, getragen wenigstens von einer sehr stilsicheren Band.

Dann wurde mit Latin-Rhythmen doch noch ein Zahn zugelegt und das trotz allem sehr motivierte Publikum mit dem Hit „Give Me The Night“ (allerdings erst nach deutlicher Aufforderung durch den Bassisten) von den Stühlen geholt - und aus war‘s, das Haupt-Set. Nach einer etwas seltsamen Vorstellung der Musiker durch eine Art Moderator - Mr. Benson genoss offenbar eine Durchschnauf-Pause - folgten die Zugaben, u.a. „The Greatest Love Of All“ und - natürlich - ganz zuletzt der Mega-Hit „On Bradway“. Und der war dann in einer Extended Version samt beeindruckendem Schlagzeugsolo sehr ordentlich und brachte die Fans auch fortschrittlicheren Alters in der Oper zum Tanzen.

Aber auch hier: Der Star-Gitarrist Benson spielte am Anfang gerade mal drei Akkorde des einprägsamen „On Broadway“-Riffs selbst und überließ die Arbeit dann seinem Begleitgitarristen, ehe er mit großer Geste gegen Ende doch noch „solierte“. Fazit: Ein grandioser „On Broadway“-Hit macht noch keine tolle Show am Broadway - oder beim Jazzfest.




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