Letztes Update am Fr, 07.07.2017 09:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ökonomen zur deutschen Produktion - Spotanalyse



Berlin (APA/Reuters) - Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im Mai überraschend kräftig ausgeweitet. Industrie, Baubranche und Energieversorger erzeugten zusammen 1,2 Prozent mehr als im Vormonat, wie das deutsche Wirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. Ökonomen hatten lediglich ein Plus von 0,3 Prozent erwartet. In ersten Reaktionen hieß es:

Ralph Solveen, Commerzbank:

„Angesichts der sehr starken Stimmungsindikatoren wie dem Einkaufsmanagerindex und dem Ifo-Geschäftsklima erscheint das kräftige Plus bei der Produktion zunächst einmal nicht besonders überraschend. Allerdings haben sich die Auftragseingänge zuletzt eher sehr verhalten entwickelt, so dass sich der von uns auf deren Basis berechnete Trend für die Produktion in der Industrie derzeit nur seitwärts bewegt und deutlich unter dem Mai-Niveau liegt. Sollte es also in den kommenden Monaten nicht einen plötzlichen Schub bei den Orders geben, besteht bei der Produktion ein gewisses Rückschlagpotenzial, was im dritten Quartal das Wachstum der gesamten Wirtschaft vorübergehend bremsen würde.“

Dirk Schlotböller, DIHK:

„Die Produktion legt noch einen Zahn zu. Das ist nun schon der fünfte Anstieg in Folge – das hat es seit mehr als sechs Jahren nicht mehr gegeben. Die Stimmung der Betriebe hat sich bereits seit dem Jahreswechsel spürbar aufgehellt. Mittlerweile ziehen auch die Investitionen an. Das ist für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft besonders wichtig, denn hier hatte sich über Jahre ein Nachholbedarf aufgestaut. Gegen einen dauerhaften Investitionsaufschwung spricht allerdings weiterhin die Verunsicherung über die wirtschaftspolitische Entwicklung weltweit.“

Alexander Krüger, Bankhaus Lampe:

„Der Produktionsknoten hat sich gelöst: Endlich ist die hohe Erwartungshaltung, die zuletzt durch die Stimmungsindikatoren angefacht worden ist, bestätigt worden. Für das zweite Quartal sieht es nun nach einem Vorquartalszuwachs von mindestens zwei Prozent aus. Vergleichbares hat es seit 2010 nicht mehr gegeben.

Neben dem robusten Dienstleistungssektor erhält das Bruttoinlandsprodukt damit nun von der industriellen Seite einen zusätzlichen und kräftigen Rückenwind. Auch wenn durch die aktuell fantastische Entwicklung die konjunkturelle Fallhöhe zunimmt: Die Entwicklung der Investitionsgüter macht Hoffnung, dass die zyklischen Auftriebskräfte auch in der zweiten Jahreshälfte anhalten.“




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