Letztes Update am Fr, 07.07.2017 11:00

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fußball: ÖFB-Frauen bewiesen „EURO-Reife“ - Mit „Rückenwind“ zur EM



Wiener Neustadt (APA) - Vier Tore geschossen, 4:2 gewonnen, überzeugend gespielt: Die EM-Generalprobe gegen Dänemark hätte für Österreichs Frauen-Fußball-Nationalteam kaum besser laufen können. „Das gibt uns einfach einen Rückenwind“, jubelte ÖFB-Frauen-Teamchef Dominik Thalhammer nach dem glanzvollen Sieg am Donnerstag in Wiener Neustadt.

Mit einem schwierigen Vorbereitungsprogramm war der 46-Jährige ein gewisses Risiko eingegangen. Das scheint sich gelohnt zu haben. „Jetzt kann ich leicht dastehen und sagen, dass es richtig war. Wenn wir verloren hätten, hätte man sich den Vorwurf gefallen lassen können, dass man nicht mit so einem Hype oder einer tollen Stimmung hinfährt. Der Sieg war daher unheimlich wichtig“, erläuterte Thallhammer.

Vier Spiele hatte es zuletzt keinen Erfolg gegeben, Treffer gelang dabei nur einer. Das aber gegen im Ranking besser klassierte Gegner, wie zuletzt bei den 0:3-Niederlagen in England und bei EM-Gastgeber Niederlande. „Wir haben in den letzten Spielen viele Lernfelder aufgedeckt und man hat heute gesehen, dass wir die Fehler abgestellt haben. Das wäre wahrscheinlich nicht so gewesen, wenn wir gegen irgendeinen Mittelklassegegner gespielt hätten“, sagte Thalhammer.

Dänemark ist die Nummer 15 der Welt, der Ranglisten-24. war aber mindestens eine Klasse stärker. Das wurde dank Nicole Billa (1., 49.) und Sarah Zadrazil (55., 63.) auch am Ergebnis deutlich. „Wenn man als Stürmer nach langer Zeit wieder trifft, ist das erleichternd und erlösend“, betonte Billa.

Die EM-Richtung stimmt. „Es war extrem wichtig zu beweisen, dass wir EURO-Reife haben, mit Topteams mithalten können“, betonte Thalhammer. Das unterstrich auch Billa. „Wir haben gezeigt, dass wir mit unserem Teamgeist und unserer Mentalität Gas geben können. Es war so ein Spiel, das gezeigt hat, dass es funktioniert“, freute sich die 21-jährige Hoffenheim-Angreiferin.

Abheben wollen die Kickerinnen jetzt nicht. „Wir sind eine sehr bodenständige Mannschaft“, verlautete Billa. Davon ist auch Thalhammer überzeugt. „Wir bleiben da ganz realistisch, aber es ist schön zu sehen, dass, wenn wir über weite Strecken stabil sind, so einem Gegner große Probleme bereiten können“, sagte der gebürtige Niederösterreicher.

Aggressives und mutiges Spiel vom Anpfiff weg war der Schlüssel für den Erfolg. Während man gegen die Niederlande mit zwei Kontertoren in den ersten drei Minuten noch dafür bestraft worden war, ging die Rechnung diesmal voll auf. Schon nach 34 Sekunden war die torlose Zeit zu Ende. Die Däninnen nutzten die einzige Unachtsamkeit der ÖFB-Auswahl vor der Pause zum Ausgleich, blieben aber vieles schuldig und waren mit dem 2:4 gut bedient. Gleich dreimal rettete für sie Aluminium.

„Wir haben sie mit unserem aggressiven Spiel vom Tor weghalten können, viele zweite Bälle gewonnen und sind sehr gut nach vorne gekommen“, resümierte Thalhammer. Und Zadrazil ergänzte: „Wir wollten es besser machen speziell im Spiel gegen den Ball und das ist perfekt gelungen, dadurch konnten wir auch die Chancen kreieren.“

In der Defensive fiel der Ausfall von Kapitänin Viktoria Schnaderbeck nicht ins Gewicht. Die ins Zentrum gerückte Virginia Kirchberger präsentierte sich als gute Alternative, Katharina Schiechtl kam deshalb rechts zum Zug. Thalhammer hofft trotzdem auf eine rasche Genesung der am Knie verletzten Bayern-Legionärin. „Im Bereich der Innenverteidigung, wenn noch etwas passieren sollte, haben wir wenig Optionen. Wir brauchen sie schon. Ich hoffe, dass sie schnell zurückkommt“, sagte Thalhammer.

Seine Spielerinnen können von Freitag bis Montag noch einmal vier Tage durchschnaufen. Am Dienstag folgt die Abreise ins Teamquartier nach Wageningen. „Wir fahren mit einer guten Stimmung nach Holland, das ist sehr wichtig“, ist Thalhammer guter Dinge. Am 18. Juli wartet in Deventer die Schweiz als erste EM-Hürde. „Wir hoffen, dass wir ihnen ähnliche Probleme bereiten können wie den Däninnen“, so Thalhammer. Die weiteren Gruppengegner sind Frankreich (22. Juli) und Island (26. Juli).




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