Letztes Update am Fr, 07.07.2017 13:18

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


RH: Bundesforste investierten relativ wenig in Schutzwald-Pflege



Wien (APA) - Die Bundesforste haben nach Ansicht des Rechnungshofes zwischen 2010 und 2014 relativ wenig in die Pflege des Schutzwaldes investiert, der vor Naturgefahren schützen soll. „Der Pflegeaufwand für den Schutzwald im Ertrag war mit 7 Prozent im Hinblick auf dessen Anteil an der gesamten Waldfläche von rund 20 Prozent gering“, schreibt der Rechnungshof in einem am Freitag veröffentlichten Prüfbericht.

Rund 93 Prozent der Waldpflege-Aufwendungen steckten die Bundesforste laut Rechnungshof in die im Ertrag stehenden Wirtschaftswaldflächen. Schutzwälder sollen vor Naturgefahren wie Überschwemmungen, Lawinen, Muren, Hochwasser, Erosion, Steinschlag und Felsschlag schützen. Um die Schutzfunktion zu erhalten, braucht es meist eine spezielle Bewirtschaftung.

„Pro Hektar Schutzwald im Ertrag wendete die Österreichische Bundesforste AG für Waldpflegemaßnahmen nur rund ein Viertel jenes Betrags auf, der auf Wirtschaftswaldflächen zum Einsatz kam“, heißt es im Rechnungshofbericht. Der Rechnungshof überprüfte die Jahre 2010 bis 2014. Bei Bedarf wurden auch weiter zurückliegende Jahre berücksichtigt.

Die Bundesforste verwiesen in einer Stellungnahme gegenüber der APA auf Schadereignisse und Windwürfe im Rechnungshof-Untersuchungszeitraum. Es hätten zahlreiche Ereignisse den Wald geschädigt, und deswegen musste die Holzaufarbeitung und Waldbewirtschaftung „verstärkt in diesen Gebieten“ konzentriert werden. „Wir stimmen den Grundaussagen des Berichtes zu. Die zentralen Themen waren uns bereits bekannt und wir arbeiten seit längerem an deren Umsetzung“, betonten die Bundesforste in ihrer Stellungnahme. Man werde „die Anstrengungen in punkto Schutzwald in nächster Zeit weiter forcieren und verstärkt Maßnahmen setzen“.

Die Republik Österreich ist Alleinaktionär der Österreichische Bundesforste Aktiengesellschaft. Die Bundesforste verfügten laut betrieblicher Forstvermessung aus dem Oktober 2015 über 339.000 Hektar Wirtschaftswald und knapp 154.000 Hektar Schutzwald.

Der Rechnungshof verwies darauf, dass Angaben der Österreichischen Waldinventur 2007/2009 und Erhebungen der Bundesforste einen „insgesamt nicht zufriedenstellenden Zustand des Schutzwaldes“ belegen. „Aufgrund des Zustands der Schutzwälder wären gerade auf diesen Flächen besonders intensive Maßnahmen zur Stabilisierung und Sanierung zu ergreifen gewesen“, empfahl der Rechnungshof. Angesichts der positiven wirtschaftlichen Ergebnisse der Bundesforste aus der Holzernte wäre diese auch finanzierbar gewesen.

„Die ÖBf AG bewirtschaftete die Schutzwaldflächen vorrangig ertragsorientiert und erfüllte die im Bundesforstegesetz verankerte Zielvorgabe der ‚bestmöglichen Sicherung und Weiterentwicklung der Schutzfunktion der Waldflächen‘ unzureichend“, kritisierten die Rechnungshofprüfer.

~ WEB http://www.bundesforste.at ~ APA316 2017-07-07/13:16




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