Letztes Update am Fr, 07.07.2017 14:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prozess wegen Mordversuchs in Wels vertagt



Wels (APA) - Der Prozess gegen einen 25-jährigen Portugiesen, der im Juni 2016 in einem Welser Lokal eine 19-Jährige mit einem Messer attackiert und lebensgefährlich verletzt haben soll, ist am Freitag vertagt worden. Es sollen weitere Zeugen geladen werden. Zuvor hatte das Opfer ausgesagt und von der heftigen Wut des Angreifers erzählt. Psychiaterin Adelheid Kastner bescheinigte dem Mann Zurechnungsfähigkeit.

Staatsanwältin Christine Steininger-Höller sieht in der Tat einen versuchten Mord, Verteidiger Andreas Mauhart lediglich eine absichtlich schwere Körperverletzung. Der Beschuldigte ist tatsachengeständig, das Motiv ist aber unklar. Der Angeklagte will die Tat im Drogenrausch begangen haben.

Am Freitag schilderte das Opfer den Abend der Attacke: Sie habe mit Freunden die eben bestandene Matura gefeiert, sagte die junge Frau. Als sie in den frühen Morgenstunden in dem Lokal auf die Toilette ging, sei plötzlich der Angeklagte hereingekommen und habe „gleich zugestochen“, immer wieder und sehr heftig. Irgendwann sei er geflüchtet und sie habe sich noch einige Meter weit schleppen können, bis ihr jemand zu Hilfe kam.

Die junge Frau, die durch eine Notoperation überlebte, schilderte im Gerichtssaal, dass sie nach wie vor nicht schlafen könne, sich nicht mehr traue, joggen zu gehen und ihre Studienpläne habe ändern müssen. Durch ihre massiven Narben werde sie tagtäglich an die Attacke erinnert. Immer wieder brach sie im Zeugenstand in Tränen aus. Gerichtsmediziner Johann Haberl sagte, dass man zusätzlich zur psychischen Situation auch physische Spätfolgen nicht ausschließen könne.

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Der Angeklagte schiebt die Tat auf Drogen: Er habe Bier uns Whisky getrunken sowie Joints geraucht. Zu später Stunde habe er von einem Dealer am Stadtplatz eine ihm unbekannte weiße Substanz erhalten und diese konsumiert. Wenig später habe er die Messerattacke verübt und dabei nur an seine Ex-Freundin gedacht, mit der er u.a. wegen der gemeinsamen Tochter im Streit ist.

Bei dem ominösen Pulver soll es sich um eine Mischung aus Kokain, Ecstasy und Entwurmungsmittel gehandelt haben. Diese Substanzen wurden zwar sowohl im Haar des Angeklagten als auch auf seiner Bankomatkarte, mit der er das Pulver zusammengeschoben haben will, nachgewiesen. Aber es kann laut Sachverständigem nur gesagt werden, dass er die Dinge zeitnah zur Tat konsumiert hat, nicht, ob vorher oder nachher. Die Dreierkombination kenne er nicht, aber allein der Mix aus Kokain und Alkohol mache sehr aggressiv, so der Gutachter.

Die Psychiaterin Adelheid Kastner beantwortete die Frage nach der Zurechnungsfähigkeit mit einem „klaren Ja“. Ebenso klar verneinte sie, dass der Mann eine Persönlichkeitsstörung habe oder aktuell gefährlich sei. Er sei bisher nie durch Aggressivität aufgefallen.

Das Gericht will noch weitere Zeugen hören. Daher wurde der Prozess am Freitag vertagt. Ein neuer Termin stand vorerst nicht fest.




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