Letztes Update am Sa, 08.07.2017 10:09

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fußball: Frauen „ticken anders“ - Zweites Standbein sehr wichtig



München (APA) - Sportlich erfolgreich sein und sich gleichzeitig ein zweites Standbein aufbauen: Nina Aigner hat den Weg vorgezeichnet, den man als Frauen-Fußballerin gehen sollte. Die Ex-ÖFB-Stürmerin schloss während ihrer Karriere ihr Marketing-Fernstudium ab, schaffte den stressigen Spagat zwischen Beruf und Sport und wurde am Ende mit einem Job in der Medienabteilung von Bayern München belohnt.

Dort hat sie mit Stars wie Manuel Neuer, Thomas Müller oder auch Österreichs Aushängeschild David Alaba regelmäßig zu tun. „Starallüren spielen in der täglichen Arbeit kaum eine Rolle. Auch Neuer, Ribery und Robben sind, so banal es vielleicht klingen mag, ganz normale Menschen“, sagte Aigner der APA. Nach ihrem aktiven Ende bei den Bayern-Frauen 2011 gelang ihr der perfekte Übergang zur Karriere danach. Dafür hatte sie zuvor beste Voraussetzungen geschaffen.

„Klar war es sehr zeitintensiv, den Fußball und Beruf miteinander zu vereinbaren. Ich hatte einige Jahre, in denen ich zusätzlich noch täglich zwischen Salzburg (Anm.: Job bei Puma) und München gependelt bin. Körperlich bin ich da sicher an meine Grenzen gegangen, aber es war mir wichtig, auch meine berufliche Karriere voranzutreiben“, erläuterte Aigner. Sie habe gewusst, dass ihre aktive Karriere Anfang 30 zu Ende sein werde. „Daher war es für mich nur ein temporärer Zustand“, so Aigner.

Nach erfolgreichen Stationen in Österreich bei Kleinmünchen und Landhaus gelangen ihr 107 Tore in 176 Ligaspielen im Bayern-Dress, für das Nationalteam traf sie bei 40 Einsätzen elfmal. „Ich blicke sehr positiv auf meine Karriere zurück, konnte aus dieser Zeit sehr viel mitnehmen“, sagte Aigner. Nicht nur Titel. „Im Sport lernt man vor allem mit den negativen Erlebnissen wie Niederlagen und Verletzungen umzugehen, was im Leben generell sehr hilfreich ist“, meinte die Oberösterreicherin.

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Dass die Verdienstmöglichkeiten der Frauen deutlicher geringer sind als jene der Männer, kann die 37-Jährige verstehen. „Klar gibt es hier einen enormen Unterschied, aber man darf auch nicht vergessen, dass sich der Männerbereich wirtschaftlich in ganz anderen Dimensionen bewegt, was die Zuschauer-, Werbe- und TV-Einnahmen betrifft. Der Frauenfußball hingegen ist für die meisten Vereine ein Kostenfaktor. Die Haupteinnahmequelle liegt nun einmal im Profibereich der Männer“, erklärte Aigner.

Reich wird man als Profispielerin also so leicht nicht. „Natürlich ist es in Deutschland temporär möglich, vom Fußball zu leben, wenn man in der Bundesliga spielt. Auch kann man im besten Fall in den Profi-Jahren etwas zurücklegen. Für den Rest des Lebens reicht es aber nicht, daher ist es sehr wichtig, sich ein zweites Standbein neben dem Fußball aufzubauen“, schilderte Aigner.

Wenn man bedenkt, dass sie eine fixe Größe in der Bundesliga war, zeigt das, wie schwer es ist, im Frauenfußball finanziell über die Runden zu kommen. Auch in Deutschland gibt es zwischen Topclubs wie Bayern, Wolfsburg oder Potsdam und den hinteren Ligateams, was das Geld betrifft, große Unterschiede. Trotzdem wagen immer mehr ÖFB-Spielerinnen den Sprung ins Ausland, weil sich die Situation in der Heimat viel schlechter darstellt.

„Es ist so, dass sie ein Taschengeld kriegen. Bei uns spielen hauptsächlich Studentinnen und Schülerinnen“, sagte Wilfried Schmaus, Präsident von Liga-Dominator St. Pölten. Der Fokus sei dadurch ein anderer. „Frauen ticken anders, sie stellen Erfolg vor finanziellen Reichtum“, betonte Schmaus, der immer wieder Spielerinnen nach Deutschland verliert.

Aigner rät den Talenten, nicht zu früh den Sprung zu wagen. „Ich denke, dass es nicht förderlich ist, junge Spielerinnen aus ihrem familiären Umfeld zu reißen, um mit 14 oder 15 ins Ausland zu wechseln, wie es noch vor einigen Jahren der Fall war. Durch das Nationale Zentrum für Frauenfußball werden österreichische Talente bis zur U19 gut ausgebildet und in ihren Nationalteams geformt. Danach ist der richtige Zeitpunkt, ins Ausland zu wechseln“, schilderte die Ex-Angreiferin.




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