Letztes Update am Di, 19.09.2017 06:33

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


NR-Wahl: 2013 wählten nur mehr drei Viertel



Wien (APA) - Etwas mehr als 6,4 Millionen Österreicher sind heuer wahlberechtigt. Mehr als ein Fünftel von ihnen dürfte aber auch heuer wieder darauf verzichten, über die Zusammensetzung des Nationalrates und damit indirekt die nächste Regierung mitzuentscheiden. Seit 2006 liegt die Wahlbeteiligung unter der 80-Prozent-Marke, 2013 war sie mit 74,91 Prozent niedrig wie nie zuvor.

Wie groß das Interesse an der Wahl heuer ist, lässt sich schwer abschätzen - und die Meinungsforscher sind auch unterschiedlicher Meinung: Wolfgang Bachmayer (OGM) geht von einer etwas geringeren Beteiligung aus, Peter Hajek (Public Opinion Strategies) ist hingegen überzeugt, dass sie steigen wird.

Für eine höhere Beteiligung spricht, dass sowohl Politiker als auch Medien von der wichtigsten Wahl seit langem reden. Tatsächlich ist die Ausgangslage heuer eine geänderte: In den Umfragen führt die ÖVP, SPÖ und FPÖ liegen Kopf an Kopf dahinter - und eine weitere Fortsetzung der Großen Koalition gilt als ziemlich unwahrscheinlich. Die großen Parteien bemühen sich intensiv, Wähler für die „große Richtungsentscheidung“ zu mobilisieren - und die kleinen Parteien müssen alles daran setzen, um da nicht unter die Räder zu kommen.

Dass die Österreicher zu mobilisieren sind, wenn sie das Gefühl haben, dass es „wirklich um etwas geht“, war beim Bundespräsidenten-Wahlmarathon im Vorjahr zu sehen. Am dritten Wahlsonntag, bei der Wiederholung der aufgehobenen Stichwahl, stieg die Beteiligung noch einmal an - entgegen den Erwartungen der Meinungsforscher, die auch angesichts des Termins 4. Dezember mit einer geringen Beteiligung gerechnet hatten. Aber 74,21 Prozent gaben am ersten Advents-Wochenende (bzw. vorher per Briefwahl) ihre Stimme ab - das war der höchste Wert bei einer Hofburg-Wahl seit der Jahrtausendwende.

Am 15. Oktober wird ein solcher Rekordwert wohl nicht erreicht. Dafür müsste die Beteiligung gegenüber 2013 um zehn Prozentpunkte wachsen. Denn 2002 - als die ÖVP zum letzten Mal Erste wurde -, begaben sich 84,27 Prozent an die Urnen.

Damals gelang es, mehr als 200.000 Nichtwähler zur Mitentscheidung zu bewegen - und die Zahl der Nichtwähler damit wieder knapp unter die Millionen-Grenze zu drücken. Seither ist dieser „Pool“ aber Wahl um Wahl gewachsen: 2013 verzichteten 1,601.898 Österreicher auf ihr Wahlrecht. Hätte eine Partei all diese Stimmen bekommen, wäre sie unangefochten Erste geworden: Die SPÖ war 2013 mit 1,258.605 Stimmen die stärkste Partei.

Keine große Steigerung bewirkt hat die Einführung der Briefwahl - aber vielleicht hat sie einen stärkeren Rückgang verhindert. Bei der Premiere 2008 fiel die Beteiligung zwar eine Spur besser aus als 2006 - aber 2013 ging sie wieder um 3,90 Prozentpunkte zurück. Dabei wurde die Möglichkeit, die Stimme schon vor dem Wahltag per Post oder direkt bei den Wahlbehörden abzugeben, zunehmend genützt: 2008 langten 7,6 Prozent der gültigen Stimmen per Briefwahl ein, 2013 schon 11,40 Prozent. Bei der (aufgehobenen) Bundespräsidenten-Stichwahl im Mai waren es sogar 16,7 Prozent, beim Dezember-Termin immerhin noch 13,2 Prozent.

Am fleißigsten Nationalrats-gewählt wird seit Jahren im - nach Wahlberechtigten - „kleinsten“ und im „größten“ Bundesland: Burgenland und Niederösterreich wechseln einander auf Platz 1 ab. 2013 lag das Burgenland mit 82,79 Prozent vorne - und NÖ war das zweite Land, in dem noch knapp mehr (81,04) als vier Fünftel mitwählten.

Bis 1990 lagen immer die westlichen Länder Tirol und Vorarlberg sowie die Steiermark vorne - weil in diesen Bundesländern seit 1949 Wahlpflicht bestand. In Kärnten wurde sie 1986 eingeführt, bestand aber nur für zwei Wahlen. 1992 wurde per Bundesverfassungs-Novelle die Möglichkeit der Anordnung einer Wahlpflicht durch die Länder gestrichen.

Wahlberechtigte, abgegebene Stimmen und Wahlbeteiligung bei den Nationalratswahlen der Zweiten Republik:

~ Datum Wahlberechtigt Abgegebene Wahlbet.

25.11.1945 3.449.605 3.253.329 94,31 09.10.1949 4.391.815 4.250.616 96,78 22.02.1953 4.586.870 4.395.519 95,83 13.05.1956 4.614.464 4.427.711 95,95 10.05.1959 4.696.603 4.424.658 94,21 18.11.1962 4.805.351 4.506.007 93,77 06.03.1966 4.886.818 4.583.970 93,80 01.03.1970 5.045.841 4.630.851 91,78 10.10.1971 4.984.448 4.607.616 92,44 05.10.1975 5.019.277 4.662.684 92,90 06.05.1979 5.186.735 4.784.173 92,24 24.04.1983 5.316.436 4.922.454 92,59 23.11.1986 5.461.414 4.940.298 90,46 07.10.1990 5.628.912 4.848.741 86,14 09.10.1994 5.774.000 4.730.987 81,94 17.12.1995 5.768.099 4.959.455 85,98 03.10.1999 5.838.373 4.695.192 80,42 24.11.2002 5.912.592 4.982.253 84,27 01.10.2006 6.107.892 4.793.780 78,49 28.09.2008 6.333.109 4.990.952 78,81 29.09.2013 6.384.308 4.782.410 74,91 ~




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