Letztes Update am So, 08.10.2017 08:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Vorsorgekasse: Mit „Grüner Zusatzpension“ Altersvorsorge forcieren



Wien (APA) - Markus Zeilinger, Gründer und Vorstandsvorsitzender der fair-finance-Vorsorgekasse, fordert die Einführung einer „echten“ kollektiven betrieblichen Altersvorsorge und deren Kombination mit ökologischen und nachhaltigen Veranlagungsmöglichkeiten. Das neue Modell, das Zeilinger „Grüne Zusatzpension“ nennt, soll zudem Österreich in die Lage versetzen, die Klimaziele leichter zu erreichen.

„Das, was es bisher in Österreich gibt, ist nicht wirklich eine betriebliche Altersvorsorge“, sagte Zeilinger in einem APA-Interview. Ein Bürger habe kaum Chancen, selbst effektiv vorzusorgen, abgesehen von wenigen Vermögenden, die versuchten, sich mit Vorsorgewohnungen, Wertpapieren oder Edelmetallen abzusichern. Mit der Idee, Klimaziele und Vorsorge zu kombinieren, könnte man zwei Themen mit einer Fliegenklatsche erwischen.

„Momentan ist es so, dass uns das Gesetz eigentlich nicht sehr leicht ermöglicht, in nachhaltige Unternehmen und Themen zu investieren“, sagte Zeilinger. Vor allem habe die Veranlagung derzeit wenig mit der österreichischen Wirtschaft zu tun. Auch seien die österreichischen börsenotierten Unternehmen nicht die sehr nachhaltigen Unternehmen. „Das sind im Regelfall die kleinen, innovativen Unternehmen, die noch nicht am Kapitalmarkt sind.“ Diese Unternehmen würden aber völlig unter dem Radar der Vorsorgekassen laufen, weil die Vorsorgekassen nicht in Beteiligungen investieren dürften, sondern nur in gehandelte Wertpapiere.

„Wir haben einen Vorschlag gemacht, der noch nicht publiziert ist, um zumindest unser Spezialgesetz für ökologische, nachhaltige Investitionen in einer kontrollierten Art und Weise zu öffnen“, so Zeilinger. Ziel sei, dass sich die Vorsorgekassen schon früher auch an kleineren Unternehmen beteiligen können, und nicht nur an großkapitalisierten, die einen sehr speziellen Zugang zum Thema Nachhaltigkeit hätten.

Gleichzeitig sollte das Mitarbeitervorsorgekassenwesen dazu genutzt werden können, um zusätzliche Beiträge über die bescheidenen verpflichtenden Beiträge von 1,53 Prozent der Bruttobezüge hinaus zu ermöglichen. Das System sollte geöffnet werden, damit sukzessive ein Teil des Gehalts in eine „Grüne Zusatzpension“ fließen könne. „Es fehlt bisher der politische Wille, darüber nachzudenken, ohne gleich als Ketzer des Pensionssystems dazustehen“, so Zeilinger.

Der Wunsch sei, nachhaltige Veranlagung mit einer sinnvollen Zusatzpension über das Modell der Mitarbeitervorsorgekassen zu kombinieren. Die zusätzlichen Beiträge müssten für die Zusatzpension verwendet werden und dürften nicht vorzeitig herausgenommen werden. Nur dann würden auch die Vorteile gelten. Die Vorsorgekassen selbst würden die Verrentung - wie sie bereits jetzt als kaum genutzte Option vorgesehen sei - aber nicht selbst vornehmen, sondern die Versicherungen und Pensionskassen.

Bedarf für eine Zusatzpension sieht Zeilinger vor allem deswegen, weil es im derzeitigen österreichischen Pensionssystem noch keine vernünftige Möglichkeit gebe, eine akzeptable Nettoersatzrate zu erhalten. Alle bisherigen Pensionsreformen hätten dazu geführt, dass die Nettoersatzrate, also das Verhältnis zwischen dem Letztbezug und Pensionsbezug auf Nettobasis, kontinuierlich sinke.

„Die Vorsorgesuchenden werden sich selbst überlassen, weil es keine vernünftigen Rahmenbedingungen gibt, wo man die Chance hat, zu vernünftigen Konditionen und entsprechender Sicherheit diesen Abfall des Nettoeinkommens abzufedern, der immer größer wird“, sagte Zeilinger. Die Zukunft gehöre der zweiten Säule, also der betrieblichen Altersvorsorge, ist Zeilinger überzeugt. Dazu brauche man einen kollektiven Zugang.

Die fair-finance-Vorsorgekasse ist jüngste Mitarbeitervorsorgekasse (MVK) und mit einem Marktanteil von 5,2 Prozent die sechstgrößte MVK unter den acht Anbietern. Ziel sei ein Marktanteil von 6 bis 7 Prozent in ein paar Jahren, sagte Zeilinger. fair finance ist derzeit der einzige Anbieter, der neben der gesetzlich vorgeschriebenen Kapitalgarantie noch eine Zinsgarantie von derzeit 0,75 Prozent abgibt. Diese wird jährlich neu festgelegt. Die Kasse verwaltet ein Vermögen von etwa 460 Mio. Euro, zählt etwa 150.000 aktive Anspruchsberechtigte. Die Performance nach drei Quartalen liegt bei 1,72 Prozent. 2016 waren es 2,39 Prozent gegenüber 2,35 Prozent des Marktes.




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