Letztes Update am So, 08.10.2017 12:19

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Drei Journalisten in Venezuela bei Recherchen festgenommen



Caracas (APA/AFP) - Bei Recherchen in einem Gefängnis sind in Venezuela drei Journalisten festgenommen worden, darunter zwei Ausländer.

Wie die Nichtregierungsorganisation Foro Penal am Samstag mitteilte, wurden die Italiener Roberto Di Matteo, der Schweizer Filippo Rossi sowie der Venezolaner Jesús Medina am Freitag festgenommen, nachdem sie mit einem Kamerateam die Haftanstalt von Tocorón im Bundesstaat Aragua betreten hatten.

Die nationale Journalistengewerkschaft SNTP teilte ebenfalls mit, die Reporter seien während eines Rechercheeinsatzes in dem Gefängnis festgenommen worden. Der Venezolaner Medina ist Fotograf bei der regierungskritischen Online-Zeitung DolarToday. Für welche Medien der Italiener und der Schweizer arbeiten, wurde nicht mitgeteilt.

Zunächst hatte es geheißen, Rossi sei Italiener. Schweizer Medien berichteten jedoch, er habe die Schweizer Staatsangehörigkeit. Ein Sprecher des schweizerischen Außenministeriums bestätigte die Festnahme eines Schweizers in Venezuela. Die Botschaft in der venezolanischen Hauptstadt Caracas stehe im Kontakt mit den zuständigen Behörden.

Das italienische Außenministerium erklärte, die Botschaft in Caracas verfolge „die Festnahme des italienischen Staatsbürgers Robero Di Matteo vom ersten Moment an“ und stehe im Kontakt mit den örtlichen Behörden.

Die SNTP veröffentlichte ein Foto, das nach ihren Angaben die drei Festgenommenen zeigte. Sie waren eingerahmt von Soldaten von hinten zu sehen, offenbar waren ihnen Handschellen angelegt worden. Ihre Handys und Kameras waren konfisziert. Die Gewerkschaft konnte sich nach eigenen Angaben davon überzeugen, dass es den Journalisten gesundheitlich gut ging. Sie hätten keine Anzeichen von Gewaltanwendung aufgewiesen.

Der SNTP zufolge hatten die Journalisten eine „Einladung“ für den Besuch im Gefängnis. Als sie dort eintrafen, sei ihnen der Zugang verwehrt und sie seien festgenommen worden. Seit Freitag befänden sich die Männer in Gewahrsam.

Die Zustände in Venezuelas Gefängnissen werden immer wieder kritisiert. Die Haftanstalten des lateinamerikanischen Landes sind überfüllt, außerdem wird über Mangelernährung geklagt. Die Regierung hat angekündigt, die Probleme in den Gefängnissen lösen zu wollen.

Venezuelas Präsident Nicolas Maduro sieht sich als Opfer einer Negativkampagne in- und ausländischer Medien. Der Staatschef war in diesem Jahr Massenprotesten ausgesetzt. Bei Unruhen wurden seit April fast 130 Menschen getötet. Maduros Gegner legen dem sozialistischen Staatschef die schwere Wirtschafts- und Versorgungskrise im Land zur Last.




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