Letztes Update am So, 08.10.2017 12:31

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Letzte Hochburg der Rebellen in Nordsyrien



Idlib (APA/AFP) - Die Provinz Idlib ist die letzte Hochburg der Rebellen in Nordsyrien. Schon früh hatte die Freie Syrische Armee (FSA) die an die Türkei angrenzende Agrarregion im Nordwesten Syriens unter ihre Kontrolle gebracht - auch Dank der Unterstützung Ankaras, die die Aufständischen im Kampf gegen Machthaber Bashar al-Assad mit Waffen versorgte.

Nach und nach verloren aber die FSA-Rebellen in Idlib an Einfluss, während radikale Islamistengruppen erstarkten. Im August wurde dann auch die protürkische Rebellengruppe Ahrar al-Sham vertrieben. Nun will die Türkei mit einer Militäroffensive einen regionalen Waffenstillstand in Idlib durchsetzen - und damit wohl auch ihren Einfluss in der Region wiederherstellen.

Offiziell dient der Einsatz der türkischen Armee in Idlib der Absicherung der dort geplanten „Deeskalationszone“. Insgesamt gibt es vier solche Zonen in Syrien, in denen eine Waffenruhe zwischen Rebellen und Regierungstruppen herrschen soll. Vereinbart wurden die Zonen von der Türkei, dem Iran und Russland, die auch für die Einhaltung der Waffenruhen sorgen wollen.

Ausgenommen von den Waffenruhen sind allerdings die Jihadistengruppen Islamischer Staat (IS) und Hajat Tahrir al-Sham (HTS). Bei Letzterer handelt es sich um ein Bündnis radikaler Islamistengruppen um Fateh al-Sham, das große Teile von Idlib kontrolliert. Die Gruppe hieß bis vergangenes Jahr Al-Nusra Front und war der syrische Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Heute will Fateh al-Sham nichts mehr mit Al-Kaida zu tun haben, doch gilt die Gruppe den USA und anderen Staaten weiter als Terrororganisation. Da das von ihr dominierte Bündnis HTS die stärkste Kraft in Idlib ist, wird die türkische Armee zunächst die Gruppe aus der Region vertreiben müssen, wenn sie die Deeskalationszone durchsetzen will. Das wird ohne Kämpfe aber nicht gehen.

„Wenn die Türkei sich entscheidet, gegen HTS vorzugehen, wird sie sicherlich auf ernsthaften Widerstand stoßen“, sagt der Forscher Aron Lund vom Politikinstitut The Century Foundation. Er erwartet, dass die Türkei bei der Offensive Panzer, Artillerie und Spezialkräfte stellt, während der Großteil der Bodentruppen von den FSA-Rebellen gebildet werden.

Schon bei dem türkischen Militäreinsatz „Schutzschild Euphrat“ in Nordsyrien im vergangenen Jahr hatte die Armee auf die FSA-Kämpfer gesetzt. Ein syrischer Rebellenkommandeur sagte, alle an der vorherigen Operation beteiligten Kräfte würden auch an dem neuen Einsatz teilnehmen. „Das Ziel ist es, Idlib vollkommen von Hajat Tahrir al-Sham zu befreien“, sagte er.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte am Samstag, die Operation solle Sicherheit in Idlib schaffen und einen „Terrorkorridor“ an der türkischen Grenze verhindern. Offenbar ist das Vorgehen mit Russland abgestimmt. Dessen Präsident Wladimir Putin hatte vergangene Woche bei einem Besuch in Ankara seinen Willen bekräftigt, die Waffenruhe in Idlib durchzusetzen.




Kommentieren