Letztes Update am Mo, 09.10.2017 12:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Liberia - Westafrikanischer Staat geht auf Ex-Sklaven aus USA zurück



Wien (APA) - Seit Mitte des 15. Jahrhunderts hatten Portugiesen, Niederländer und Briten an der sogenannten Pfefferküste Handelsposten unterhalten. 1822 kaufte die American Colonization Society aus weißen US-Bürgern das spätere Liberia, um dort mit freigelassenen afroamerikanische Ex-Sklaven als billigen Arbeitskräften eine Kolonie zu gründen.

Die zugewanderten Ex-Sklaven errichteten aber ihr eigenes Handels- und Regierungssystem samt Zwangsarbeit und Unterdrückung der angestammten afrikanischen Bevölkerung nach US-Vorbild:

1847 - Liberia wird mit einer Verfassung nach US-Vorbild unabhängig.

1926 - Abhängigkeit von der Kautschuk-Industrie unter den US-Firmen Firestone und Goodrich.

1936 - Abschaffung der Zwangsarbeit.

1958 - Abschaffung der Rassendiskriminierung.

1979 - Unruhen mit 40 Toten nach Anhebung der Reis-Preise.

1980 - Militärputsch unter Samuel Doe: Präsident William Tolbert und Minister werden öffentlich exekutiert.

1985 - Ein Jahr nach der Wiederzulassung politischer Parteien auf Druck der USA wird Putschist Doe zum Präsidenten gewählt.

1989-2003 Bürgerkrieg:

- Die National Patriotic Front of Liberia (NPFL) unter dem Baptistenprediger Charles Taylor nimmt den Kampf gegen die Regierung auf. Im Bürgerkrieg sterben 250.000 Menschen, es kommt zu Gräueltaten wie Verstümmelungen und Vergewaltigungen sowie dem Einsatz von unter Drogen gesetzten Kindersoldaten. Präsident Doe wird 1990 ermordet, Warlord Taylor wird 1997 in als fair eingestufter Wahl zum Präsidenten gewählt.

- Danach neue Kämpfe gegen Liberians United for Reconciliation and Democracy (LURD) und andere Rebellenorganisationen. In den Kampf um die Hauptstadt Monrovia schalten sich westafrikanische und US-Truppen ein. Taylor geht ins Exil.

2005 - Ellen Johnson-Sirleaf wird zur Präsidentin gewählt (erstes weibliches Staatsoberhaupt Afrikas). Eine Wahrheits- und Versöhnungskommission zur Aufarbeitung des Bürgerkriegs wird eingerichtet

2011 - Wiederwahl Johnson-Sirleafs für zweite und letzte Amtszeit.

2012 - Charles Taylor wird von einem UNO-Sondergericht zum Bürgerkrieg in Liberias Nachbarland zu 50 Jahren Haft verurteilt: Taylor bewaffnete u.a. Rebellen in Sierra Leone und ließ seine Truppen an deren Seite kämpfen. Dafür wurde er demnach mit sogenannten Blutdiamanten bezahlt, die unter unmenschlichsten Bedingungen geschürft wurden.

2013-16 - Ebola-Epidemie in der Region trifft Liberia am meisten.




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