Letztes Update am Mo, 09.10.2017 12:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Freispruch für bosnischen Ex-Kommandanten - Serben kritisieren Urteil



Sarajevo/Belgrad (APA) - Der Freispruch des Ex-Kriegskommandanten der bosnischen Muslime in Srebrenica, Naser Oric, wird von den bosnischen Serben erwartungsgemäß scharf kritisiert. Milorad Dodik, der bosnische Serbenführer und Präsident der Republika Srpska, brachte in seiner ersten Reaktion am Montag erneut die umstrittene Volksabstimmung über die gesamtstaatliche Justiz ins Spiel. Kritik kam auch aus Serbien.

Dodik, der die Abtrennung und Unabhängigkeit der Republika Srpska beansprucht, forderte am Montag alle bosnischen Serben, die in der gesamtstaatlichen Justiz in Sarajevo tätig sind, erneut auf, ihre Posten aufzugeben. Das berichtete die Tageszeitung „Nezavisne novine“.

Noch vor drei Wochen hatte Dodik angekündigt, die bosnischen Serben würden auf die von ihrem Parlament bereits im Jahre 2015 beschlossene strittige Abhaltung der Volksabstimmung verzichten. Das Referendum hätte unter anderem auch die Position des Hohen Bosnien-Beauftragten - dieses Amt hat derzeit der Österreicher Valentin Inzko inne - infrage gestellt.

Wenig begeistert von dem Urteil zeigte sich auch das kroatische Mitglied der bosnischen Staatsführung Dragan Covic. Als „kleiner Schritt rückwärts“ bezeichnete der derzeitige Präsident des dreiköpfigen Staatspräsidiums laut Medienberichten von Montag den Freispruch. Das Urteil werde sicher negative Rhetorik zur Folge haben, befürchtete Covic.

Auch der serbische Präsident Aleksandar Vucic übte Kritik an der Entscheidung des Gerichts in Sarajevo. Gleichzeitig appellierte er aber an seine Landsleute, „kein schlechtes Wort“ gegen Angehörige der muslimischen Volksgruppe der Bosniaken zu verlieren. Es gelte, betonte der Präsident weiter, eine gemeinsame Zukunft zu bauen.

Oric selbst gab sich nach dem Freispruch zurückhaltend. „Die Justiz hat gesiegt. Das Gericht hat das Seine getan“, zeigte er sich wortkarg.

Der 50-jährige Oric hatte sich wegen der Ermordung von drei Kriegsgefangenen während des Bosnienkriegs (1992 bis 1995) verantworten müssen. Ein Gericht in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo sprach den früheren Kommandanten Oric am Montag frei.

Oric war 2006 vom Internationalen Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. In einem Berufungsverfahren wurde er aber freigesprochen.




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