Letztes Update am Mo, 09.10.2017 13:24

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wiener Jugendnotschlafstelle der Caritas neu eröffnet



Wien (APA) - Wiens einzige Jugendnotschlafstelle ist übersiedelt. Die Einrichtung „a_way“, die von der Caritas geführt und von der MA 11 (Amt für Jugend und Familie) sowie der Sucht- und Drogenkoordination gefördert wird, ist am Montag in Ottakring neu eröffnet worden. Der neue Standort in der Nähe der Lugner City bietet mehr Platz, wodurch auch das Angebot erweitert werden konnte.

Seit 2005 stellt die Einrichtung, die zuvor beim Westbahnhof beheimatet war, jungen Menschen, die sich in prekären Wohnsituationen befinden, kurzfristig einen Schlafplatz zur Verfügung. In der Jugendnotschlafstelle können 14- bis 20-Jährige in Zwei- und Dreibettzimmern kostenlos fünf Nächte im Monat nächtigen. Außerdem erhalten sie, wenn sie das möchten, Beratung von Sozialarbeitern. Für akute Krisenfälle in der Nacht stehen zwei Notbetten zur Verfügung.

„Die Gründe, warum die Jugendlichen so dringend Hilfe brauchen, sind vielfältig: ein zerrüttetes Zuhause, weil sie vor Gewalt fliehen, an einer Suchterkrankung leiden oder ihr Zimmer, ihre Wohnmöglichkeit verloren haben“, sagte Klaus Schwertner, Generalsekretär der Wiener Caritas, im Rahmen der Eröffnungsfeier. Im „a_way“ können sich die Jugendlichen ein paar Tage ausruhen. Die Sozialarbeiter versuchen gemeinsam mit ihnen, einen Weg aus der Krise zu finden. So solle verhindert werden, dass die jungen Menschen in manifeste Wohnungslosigkeit und soziale Isolation abrutschen, sagte Schwertner.

Die Institution stelle eine Brücke zwischen einem Leben auf der Straße und den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe dar, so Schwertner. Die Jugendlichen können anonym und ohne Anmeldung ins „a-way“ kommen. Sie haben die Möglichkeit zu duschen, Wäsche zu waschen und erhalten Kleidung sowie Essen. „Es gibt Jugendliche, die unsere Strukturen nicht so leicht annehmen können“, sagte Johannes Köhler, Leiter der MA 11. Deshalb sei es wichtig, dass es das niederschwellige Angebot der Jugendnotschlafstelle gebe. „Was hier gemacht wird, ist, dass wenn ein junger Mensch stolpert oder fällt, nicht mit dem Finger auf ihn gezeigt wird und gesagt wird, du bist raus aus diesem Spiel, aus dieser Gesellschaft, sondern ihm wieder auf die Beine geholfen wird“, lobte auch Jugendstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) die Einrichtung.

Mit dem Umzug in die Neumayrgasse 4 wurde das Angebot erweitert. In drei zusätzlichen Wohngruppen mit Einzelzimmern können nun acht Jugendliche bis zu drei Monate nächtigen. Der Standort neben der Lugner City sei nicht zufällig gewählt worden, sagte Martin Haiderer, Leiter des Fachbereichs Wohnen der Wiener Caritas. Viele Jugendliche verbrächten viel Tagesfreizeit im Einkaufszentrum, wo die meisten nichts konsumieren könnten. „Bei uns finden sie sinnvolle Tagesstrukturen.“ Im vergangenen Jahr übernachteten 537 Jugendliche in der Notschlafstelle.

~ WEB http://www.caritas.at/ ~ APA262 2017-10-09/13:20




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