Letztes Update am Mo, 09.10.2017 14:57

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Über 2.000 mutmaßliche Boko-Haram-Mitglieder in Nigeria vor Gericht



Kano (APA/AFP) - In Nigeria müssen sich seit Montag mehr als 2.000 mutmaßliche Mitglieder der Islamistengruppe Boko Haram vor Gericht verantworten. Nach Angaben eines Regierungsmitarbeiters trafen auf der Militärbasis in Kainji Anwälte und Ankläger ein, um zunächst Verfahrensfragen zu klären.

Nach Angaben des Justizministeriums sollten die Verhandlungen gegen 1.670 Angeklagte vor einem Zivilgericht auf der Militärbasis in Kainji im Nordwesten des Landes beginnen. Anschließend soll 651 weiteren mutmaßlichen Jihadisten auf einer zweiten Militärbasis der Prozess gemacht werden. Die Verfahren sollen hinter verschlossenen Türen stattfinden.

„Die Fälle werden individuell verhandelt“, sagte der Regierungsmitarbeiter der Nachrichtenagentur AFP. Wenn mehrere Verdächtigte wegen derselben Straftat angeklagt seien, könnten die Fälle aber zusammen verhandelt werden.

Menschenrechtsorganisationen hatten der nigerianischen Armee willkürliche Festnahmen, Vorverurteilungen und unrechtmäßige Hinrichtungen vorgeworfen. Demnach wird auch dieses Mal die Nähe von Angeklagten zu Boko Haram infrage gestellt. Manche von ihnen sitzen seit dem Beginn der Gewalttaten in Nigeria im Jahr 2009 ohne rechtlichen Beistand in Untersuchungshaft. Seit 2009 wurden nach Regierungsangaben erst 13 mutmaßliche Boko-Haram-Mitglieder vor Gericht gestellt und nur neun von ihnen verurteilt.

Die Armee steht wegen des Aufstands von Boko Haram unter großem Druck. Die Gruppe kämpft seit 2009 gewaltsam für einen islamischen Gottesstaat im Nordosten Nigerias. Immer wieder verüben die Extremisten blutige Anschläge und Überfälle auf Dörfer, Kirchen, Schulen, Sicherheitskräfte, Politiker und Behördenvertreter. Tausende Menschen wurden dabei getötet. Der Konflikt ist auch auf benachbarte Staaten übergeschwappt.




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