Letztes Update am Mo, 09.10.2017 18:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Türkei fordert USA in Visa-Streit zum Einlenken auf



Istanbul (APA/AFP) - In der schweren diplomatischen Krise zwischen Ankara und Washington hat die Türkei die USA zum Einlenken im Visa-Streit aufgefordert. Nachdem die USA am Sonntag die Vergabe von temporären Visa in der Türkei stoppten, bestellte das türkische Außenministerium am Montag den US-Geschäftsträger in Ankara ein und forderte die Rücknahme der Entscheidung.

Zuvor hatte die Türkei bereits ihrerseits die Visa-Vergabe eingestellt. Auslöser der Krise war die Festnahme eines US-Konsulatsmitarbeiters.

Dem türkischen Mitarbeiter des US-Konsulats in Istanbul wird Spionage und Mitgliedschaft in der verbotenen Gülen-Bewegung vorgeworfen. Die USA weisen die Vorwürfe als unbegründet zurück. Am Sonntag verkündeten die USA, dass bis zur Prüfung der Sicherheit der Konsulatsmitarbeiter in der Türkei die Vergabe von temporären Visa ausgesetzt werde. Demnach sollen nur noch Anträge für dauerhafte Visa bearbeiten werden.

Die Türkei reagierte darauf am späten Sonntagabend mit einer praktisch wortgleichen Erklärung, in der sie ihrerseits verkündete, die Visa-Ausstellung durch die türkischen Konsulate in den USA zu stoppen. Auch die Ausstellung von E-Visa über das Internet sowie die Visa-Vergabe an der Grenze sei für US-Bürger gestoppt worden, hieß es in der Erklärung.

Am Montag meldete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu dann, dass ein weiterer türkischer Mitarbeiter des US-Konsulats in Istanbul von der Polizei zur Befragung vorgeladen worden sei. Zudem seien seine Frau und sein Sohn wegen mutmaßlicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung festgenommen worden.

Zunächst war von einem Haftbefehl gegen den Mitarbeiter die Rede gewesen. Justizminister Abdulhamit Gül dementierte aber, dass die Justiz die Festnahme eines zweiten US-Konsulatsmitarbeiters beantragt habe. Laut der Zeitung „Hürriyet“ hielt sich der Mitarbeiter im US-Konsulat auf und folgte bisher nicht der Vorladung durch die Polizei.

Im März war bereits ein türkischer Mitarbeiter des US-Konsulats in Adana unter dem Vorwurf festgenommen worden, zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu gehören.

Der Experte Soner Cagaptay vom Washington Institute sprach von einer „historischen Krise“. Seit dem Zypern-Krieg in den 70er-Jahren seien die Beziehungen nicht mehr auf einen solchen Tiefpunkt gesunken, sagte er. Eine rasche Normalisierung der Beziehungen sei nicht zu erwarten, da beide Seiten nicht bereit seien, in diesem Konflikt einzulenken, warnte er.

Das Verhältnis der NATO-Partner USA und Türkei ist wegen einer Reihe von Streitfragen seit langem angespannt. Unter anderem fordert die Türkei von den USA die Auslieferung des islamischen Predigers Fethullah Gülen, den sie für den gescheiterten Militärputsch von Juli 2016 verantwortlich macht. Auch ist Ankara wütend über die US-Unterstützung für die Kurden in Syrien.

Die türkischen Märkte reagierten besorgt auf die Auseinandersetzung zwischen Ankara und Washington: Die Börse in Istanbul gab am Montag bei Handelsbeginn um vier Prozent nach, bevor sie sich etwas erholte. Der Kurs der türkischen Lira zum Dollar brach von 3,61 auf zwischenzeitlich 3,92 ein, bevor er sich bei 3,70 stabilisierte.

Die Fluggesellschaft Turkish Airlines bot Passagieren, die wegen des Visa-Streits nicht mehr in die USA oder die Türkei einreisen können, die Erstattung ihres Tickets oder eine Umbuchung an.




Kommentieren