Letztes Update am Di, 10.10.2017 12:16

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hurrikan-Serie kostet US-Versicherer AIG 3 Mrd. Dollar



München (APA/Reuters) - Die Serie von Wirbelstürmen in den USA und der Karibik kommt den US-Versicherungsriesen AIG teuer zu stehen. Die American International Group (AIG) rechnet damit, dass sie Schäden von 2,9 bis 3,1 Mrd. Dollar (2,5 bis 2,6 Mrd. Euro) vor Steuern begleichen muss, wie das Unternehmen in der Nacht zu Dienstag mitteilte.

Das ist - vom Londoner Versicherungsmarkt Lloyd‘s abgesehen - die bisher höchste Schadenssumme für die Hurrikane „Harvey“, „Irma“ und „Maria“, die ein Konzern aus der Assekuranz beziffert hat. Das drückte AIG-Aktien nachbörslich um 1,7 Prozent auf 60,75 Dollar. Insgesamt dürften Versicherer und Rückversicherer nach Branchenschätzungen mit bis zu 100 Mrd. Dollar für die verheerenden Schäden einstehen müssen, die die Stürme binnen weniger Wochen angerichtet haben.

Nach Steuern bleiben bei AIG rund 2 Mrd. Dollar hängen. Der führende Sachversicherer Chubb hatte seine Kosten für die Hurrikan-Serie zuvor auf bis zu 1,28 Mrd. Dollar nach Steuern beziffert. Lloyd‘s rechnet mit bis zu 4,5 Mrd. Dollar - allein aus „Harvey“ und „Irma“. Allerdings verteilen sich die Kosten auf zahlreiche Syndikate, die an dem Markt aktiv sind.

Einen Teil der Schäden können die Versicherungskonzerne auf Rückversicherer wie Münchener Rück, Swiss Re oder Hannover Rück abwälzen. Sie schultern bei großen Naturkatastrophen Spitzenlasten oder einen prozentualen Anteil der entstandenen Kosten. Weltmarktführer Münchener Rück und Hannover Rück haben wegen der Hurrikan-Serie große Fragezeichen hinter ihre Gewinnprognosen gesetzt, aber noch keine genaueren Schadenprognosen abgegeben. Der französische Rückversicherer Scor, einer der vier großen in Europa, hatte am Montag eine Zahl von rund 430 Mio. Euro genannt.

Die Analysten von Morgan Stanley erklärten, AIG könne die Belastungen aus den Wirbelstürmen verkraften, ohne das Kapital angreifen zu müssen, auch wenn die Summe etwas über ihren Schätzungen liege. Der Versicherungskonzern hätte 3,5 Mrd. Dollar in bar und kurzfristigen Anlagen auf der hohen Kante. „Harvey“ und „Irma“ kommen AIG nach eigenen Berechnungen mit je einer Milliarde Dollar am teuersten zu stehen, für „Maria“ könnten bis zu 700 Mio. Dollar fällig werden. Dazu kommen die Folgen der Erdbeben in Mexiko.

Für die europäischen Rückversicherer lägen in „Maria“ wegen ihrer hohen Marktanteile in der Karibik die größten Gefahren, schrieben die Analysten der UBS am Dienstag. Der Hurrikan hatte vor allem das zu den USA gehörende Puerto Rico verwüstet. Die Münchener Rück sei dort besonders stark engagiert. „Maria“ könne die Branche 30 Mrd. Dollar kosten, weniger als „Irma“ (40 Mrd. Dollar), aber mehr als „Harvey“. Andererseits könnten die hohen Schäden endlich die jahrelange Preiserosion in der Branche stoppen. Die UBS halte in der Schaden-Rückversicherung einen Anstieg im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich für wahrscheinlich. Um den Prämienrückgang der vergangenen drei Jahre wettzumachen, reiche das aber längst nicht aus.




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