Letztes Update am Di, 10.10.2017 12:19

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lebensmittel-Lieferdienst Hellofresh wagt zweiten Anlauf an die Börse



Frankfurt (APA/Reuters) - Der deutsche Lebensmittel-Lieferdienst Hellofresh nimmt trotz schlechter Erfahrungen des US-Konkurrenten Blue Apron einen neuen Anlauf an die Frankfurter Börse. Zur Finanzierung des weiteren Wachstums wolle das Unternehmen 250 bis 300 Mio. Euro einsammeln, teilte Hellofresh am Dienstag mit.

Hellofresh liefert „Kochboxen“ nach Hause, in denen die Kunden die Zutaten finden, um selbst ein Menü zu kochen. „Wir sind massiv gewachsen und haben das strategische Ziel, innerhalb der nächsten 15 Monate auf Gruppenebene die Gewinnschwelle zu erreichen“, sagte Hellofresh-Chef Dominik Richter. „Jetzt ist der richtige Moment, Hellofresh auf die nächste Stufe zu bringen.“

Hellofresh ist nach Delivery Hero das zweite Unternehmen aus dem Reich von Rocket Internet, das sich an die Börse wagt. Vor zwei Jahren hatte das Unternehmen, an dem der Start-up-Investor 53 Prozent hält, seine Börsenpläne fürs erste begraben. Die Eigentümer hoffen, die Anleger mit Preiszugeständnissen diesmal überzeugen zu können. Einem Insider zufolge soll das Unternehmen beim Börsengang mit bis zu 1,5 Mrd. Euro bewertet werden. Im Dezember war Hellofresh in einer Finanzierungsrunde noch mit 2 Mrd. Euro bewertet worden. Zudem sollen die Erlöse allein dem Unternehmen zufließen, Rocket Internet & Co. wollen keine Aktien platzieren.

Hellofresh-Eigentümer Rocket Internet hofft auf einen Erfolg wie beim milliardenschweren Börsengang des Essens-Lieferdienstes Delivery Hero. Die Aktien, die Ende Juni mit 25,50 Euro am oberen Ende der Preisspanne ausgeben wurden, kosten inzwischen gut 35 Euro. Doch der Börsengang vom Kochboxen-Anbieter Blue Apron liefert ein warnendes Beispiel für Hellofresh. Die Blue-Apron-Aktien, die nach kräftigen Preiszugeständnissen zu zehn Dollar je Stück zugeteilt wurden, haben fast die Hälfte ihres Werts verloren. Die milliardenschwere Übernahme der Biosupermarkt-Kette Whole Foods durch den Internet-Händler Amazon belastet Blue Apron und andere Lebensmittelhändler, weil hier ein mächtiger Konkurrent entstehen könnte.

Hellofresh zählt mehr als 2.000 Mitarbeiter und ist in den USA, Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Australien, Österreich, der Schweiz sowie Kanada tätig. Im zweiten Quartal lieferte die Firma nach eigenen Angaben 33,7 Millionen Mahlzeiten an 1,3 Millionen Kunden aus.

Das 2011 gegründete Unternehmen sei der größte und einzige globale Akteur von Format, versuchte sich Hellofresh vom Konkurrenten Blue Apron abzugrenzen, der nur in den USA tätig ist. Im ersten Halbjahr 2017 wuchs der Umsatz um 49 Prozent auf 435 Mio. Euro, der Betriebsverlust (bereinigtes Ebitda) stieg leicht auf 46,5 (Vorjahr: 45,7) Mio. Euro. Nun will Hellofresh binnen 15 Monaten die Gewinnschwelle beim Betriebsergebnis erreichen, mittelfristig soll die bereinigte Ebitda-Marge bei zwölf bis 15 Prozent liegen.

Begleitet wird der Hellofresh-Börsengang federführend von Berenberg, BNP Paribas, Deutsche Bank, J.P. Morgan und Morgan Stanley.




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