Letztes Update am Di, 10.10.2017 12:46

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kinderliga fordert Bundeskinderbeirat



Wien (APA) - Die Forderung nach der Einrichtung eines Bundeskinderbeirats und der Hinweis auf die in Studien festgestellte offenbar große Verbreitung von psychischen Leiden unter Heranwachsenden standen am Dienstag im Mittelpunkt der Präsentation des „Berichts zur Lage der Kinder- und Jugendgesundheit 2017“ in Wien. Er beschäftigt in diesem Jahr besonders mit der psychischen Gesundheit

Die Österreichischen Liga für Kinder und Jugendgesundheit als Dachverband von rund hundert Einzelorganisationen stellt den Report jedes Jahr zusammen. Es handelt sich bei den enthaltenen Daten nicht um die Resultate neuer Studien, sondern eher um eine Zusammenschau zu Themenschwerpunkten. In Österreich leben rund 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche. Das sind rund 20 Prozent der Bevölkerung. Die Proponenten der Liga führten dazu an, dass hingegen nur rund sechs Prozent der Gesundheitsausgaben dieser Altersgruppe zugute kämen.

Laut dem Präsidenten der Liga, Christoph Hackspiel, liegt die Problematik auch in einer mangelnden Vertretung von Kindern und Jugendlichen bei ihren Anliegen und Bedürfnissen. Er wurde in einer Aussendung so zitiert: „Es ist eigentlich eine Zumutung, dass eine so große und für die Zukunft Österreichs relevante Bevölkerungsgruppe keine Interessensvertretung hat! Unser Wunsch an die kommende Regierung wäre ein eigenes Ministerium für Kinder und Jugend - unsere realpolitische rasch umsetzbare Forderung ist ein Bundeskinderbeirat. So etwas gibt es für Senioren ja auch.“

Gravierende Defizite existieren laut der Organisation bei der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Lege man internationale Studien auf Österreich um, müssten in Österreich zumindest 170.000 Kinder und Jugendliche deutlich psychisch krank sein. Nur rund 36.000 dieser Patienten würden eine psychiatrische bzw. psychotherapeutische Versorgung erhalten. Seit Jahren ist bekannt, dass es in Österreich an niedergelassenen Kinderpsychiatern mit Kassenvertrag mangelt. Im Zugang zur Psychotherapie werden lange Wartezeiten und mangelnde Kapazitäten auf Kosten der Krankenkassen beklagt. Derzeit ist es bei einem Bedarf von rund hundert Kinderpsychiatern mit Kassenvertrag erst ein Viertel dieser Zahl.

In einer bereits Anfang Juni dieses Jahres präsentierten repräsentativen Studie mit 3.615 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen zehn und 18 Jahren berichteten fast 38 Prozent der Buben und etwas mehr als 34 Prozent der Mädchen, schon einmal unter psychischen Problemen gelitten zu haben. Diese hohen Prozentsätze könnten darauf hindeuten, dass unter Heranwachsenden psychische Störungen nicht seltener als in der Gesamtbevölkerung sind. „Wir wissen aus Studien, dass jeder Dritte im Laufe seines Lebens mindestens einmal an einer psychiatrischen Krankheit leidet. Jeder 15. Mensch in Europa erleidet eine Depression, jeder Siebente ist von einer Angststörung betroffen“, sagte im Frühjahr dieses Jahres Christa Rados, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (ÖGPP)




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