Letztes Update am Di, 10.10.2017 13:28

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fipronil - Deutsche Behörden wurden in Eierlikör und Backwaren fündig



München (APA/AFP) - Der Skandal um mit dem Giftstoff Fipronil belastete Eier hat einem Zeitungsbericht zufolge größere Ausmaße als bisher angenommen. Deutsche Behörden hätten eingeräumt, dass das Insektizid nicht nur in Hühnereiern, sondern auch in zahlreichen weiteren Lebensmitteln entdeckt worden sei, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ am Dienstag. In Österreich gab es bisher keinen Nachweis im Einzelhandel.

Das deutsche Landwirtschaftsministerium teilte demnach mit, dass nach einer vorläufigen Auswertung in 103 Proben „Rückstände von Fipronil“ entdeckt wurden. Von diese Proben hätten 25 „über dem einschlägigen Rückstandshöchstgehalt“ gelegen, erklärte das Ministerium der Zeitung zufolge weiter. Damit seien mehr als 20 Prozent der Tests auffällig gewesen, schrieb das Blatt. Davon wiederum habe jede vierte Probe über dem Grenzwert gelegen. Mit dem Testverfahren vertraute Experten hätten dies als „besorgniserregende Trefferquote“ bezeichnet.

Belastet war demnach eine ganze Reihe unterschiedlicher Produkte. „Häufige Rückstandshöchstgehaltsüberschreitungen“ fand das Ministerium dem Bericht zufolge in den Kategorien „Vollei getrocknet“, „Likör mit Eierzusatz“, „Eiersalat“ und „Feine Backwaren“.

Laut „Süddeutscher Zeitung“ begannen die Tests bereits im August. Sie sollten zeigen, ob auch eihaltige Lebensmittel vom Fipronil-Skandal betroffen sind, das Insektizid also über Eier in anderen Produkten in Supermarktregalen landete. Bis Ende Oktober sollen demnach fast 800 Proben ausgewertet werden. Dem Landwirtschaftsministerium lägen mit 473 Analysen bereits mehr als die Hälfte der Ergebnisse vor, schrieb die Zeitung.

In Österreich waren alle von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) untersuchten Produkte aus dem Einzelhandel bisher frei von Fipronil. Es wurden auch 38 verarbeitete Produkte wie Mayonnaise, Backwaren wie Gugelhupf, Eierbiskotten, Spritzgebäck, Krapfen, Linzeraugen, Strudel und Kuchen, aber auch Bananenschnitten, Profiteroles, Tiramisu sowie Semmelknödel, Käsnudeln, Buchstaben für Suppe und Backerbsen untersucht.

Jedoch wurde in 53 Proben aus dem Großhandel Fipronil nachgewiesen. Betroffen waren Flüssigei, Eiweißpulver, Eigelb, Vollei, gekochte und geschälte Eier usw. Die Produkte stammten aus Deutschland, Niederlanden, Dänemark und Belgien. Mit Stand 10. Oktober 2017 lagen die Ergebnisse für 280 Produkte vor.

Die in Österreich gemessenen Werte lagen zwischen 0,003 und 0,1 Milligramm pro Kilo und somit weit unter dem Wert von 1,2 Milligramm pro Kilo, der in Belgien gemessen wurde und der für die gesundheitliche Bewertung herangezogen wurde. Es besteht somit keine Gesundheitsgefahr, weder akut noch wenn belastete Produkte über einen längeren Zeitraum gegessen worden wären.

Laut europäischer gesetzlicher Regelung ist ein Rückstandhöchstgehalt von 0,005 mg/kg Fipronil erlaubt. Diesen Höchstwert haben laut AGES insgesamt 18 Proben überschritten und dürfen somit nicht in Verkehr gebracht werden. Dies wird derzeit von den zuständigen Landesbehörden überprüft.

In der Fipronil-Affäre mussten in Deutschland Millionen Eier vom Markt genommen und mehrere Legehennenbetriebe gesperrt werden. In Belgien waren erstmals Anfang Juni überhöhte Fipronil-Werte in einer Probe entdeckt worden. Verantwortlich war eine niederländische Firma, die Ställe von Legehennen mit einem Mittel reinigte, dem das Insektizid beigemischt war.




Kommentieren