Letztes Update am Di, 10.10.2017 13:31

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fußball: Island bejubelt WM-Premiere - „Das ist so verrückt“



Reykjavik (APA/Reuters/dpa) - Es ist das an Einwohnern kleinste Land aller Zeiten, das es jemals zu einer Fußball-WM geschafft hat. Islands jüngste Erfolgsgeschichte ist um ein spektakuläres Kapitel reicher. Die Isländer fixierten am Montag mit einem 2:0 gegen Kosovo ihre erste WM-Teilnahme. Der mittlerweile legendäre Wikinger-Schlachtruf „Huh“ wird auch kommenden Sommer in Russland zu hören sein.

Dabei haben die Isländer alles andere als eine einfache Gruppe zu überstehen gehabt. Der Außenseiter, der schon bei seiner EM-Premiere im Vorjahr in Frankreich für Aufsehen gesorgt hatte, ließ Kroatien, die Ukraine und die Türkei hinter sich - beachtlich für ein Land mit lediglich 340.000 Einwohnern. „Wir können sehr stolz auf uns sein“, sagte Offensivstar Gylfi Sigurdsson, der in der englischen Premier League bei Everton sein Geld verdient.

Ansonsten fehlen der Mannschaft die ganz großen Namen. Das macht Island aber längst mit anderen Tugenden weg. Sigurdsson und Co. haben bewiesen, dass der EM-Viertelfinaleinzug - sichergestellt u.a. durch 2:1-Siege gegen Österreich und England - keine Eintagsfliege war. „Das ist so verrückt. Meine Gedanken sind überall“, rang Teamchef Heimir Hallgrimsson nach dem WM-Coup nach Worten.

Der gelernte Zahnarzt vergaß aber auch in der Stunde des Triumphes nicht, die Aufbauarbeit seines Vorgängers Lars Lagerbäck zu würdigen. „Wir haben ihn gebraucht. Er hat die Basis dessen geschaffen, was wir hier machen“, sagte der frühere Assistent des Schweden, der sich 2016 aus Island verabschiedet hatte. Nun zählt mit Helgi Kolvidsson auch ein lange in Österreich tätiger Coach zum Trainerstab.

Seit dem verlorenen Relegations-Duell mit Kroatien für die WM 2014 in Brasilien hat Island eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. Vorläufiger Höhepunkt ist die erste WM-Teilnahme. „Wir haben den Berg erklommen und blicken nun zum nächsten“, beschrieb Hallgrimsson die Situation. „Wir ziehen unsere Wanderschuhe an und gehen los.“ Naturverbunden sind sie, die Isländer.

Staatspräsident Gudni Johannesson hob die gesellschaftliche Bedeutung des historischen Momentes im Laugardalsvöllur von Reykjavik hervor. „Dieser unglaubliche sportliche Erfolg tut dieser Nation so gut“, sagte der frühere Historiker, Bruder von Österreichs Handball-Teamchef Patrekur Johannesson, der Zeitung „Morgunbladid“. Das Land sei in vielen Dingen gespalten. „Deshalb ist es großartig, dieses Team zu haben, das uns vereint.“

Gefeiert wurde mit Leuchtraketen und einem kräftigen „Huh“ - und das bis tief in die Nacht hinein. TV-Reporter Haukur Hardarson übermannten nach dem Schlusspfiff die Gefühle. „Als ich noch ein kleiner Bub war, habe ich diesen absurden Traum gehabt, dass Island eines Tages zur WM fährt. Jetzt ist dieser Traum wahr geworden“, sagte er mit ergriffener Stimme. Passend dazu titelte auch „Morgunbladid“ am Dienstag: „Die WM ist nicht mehr länger ein Traum.“




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