Letztes Update am Di, 10.10.2017 13:49

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kaufhof will nach Verlusten Einschnitte für die Beschäftigten



Düsseldorf (APA/Reuters/dpa) - Die defizitäre deutsche Warenhauskette Galeria Kaufhof will an der Belegschaft sparen. Der Handelsriese nun Einschnitte bei Löhnen und Gehältern der etwa 21.000 Mitarbeiter durchsetzen. Kaufhof wolle in Gesprächen mit der Gewerkschaft Verdi einen neuen Tarifvertrag durchsetzen, der für die Beschäftigten Einschnitte mit sich bringen werde, sagte Arbeitsdirektor Peter Herlitzius am Dienstag.

Kaufhof brauche eine „wettbewerbsfähige Kostenstruktur“ und diese schließe die Löhne ein, forderte der Chef des Europa-Geschäfts des kanadischen Kaufhof-Eigners HBC, Wolfgang Link. „Unser Ziel ist es, das Unternehmen wieder nachhaltig profitabel zu machen und für die Zukunft eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur einschließlich der Löhne zu schaffen.“

„Wir sind uns bewusst, dass ein neuer Tarifvertrag für unsere Mitarbeiter Einschnitte bedeutet.“ Der Schritt sei jedoch unvermeidlich, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und damit Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Details zu den angestrebten Einschnitten nannte das Unternehmen nicht.

Zuvor hatte bereits die „Süddeutsche Zeitung“ über die Pläne des Warenhauskonzerns beichtet. Nach Informationen der Zeitung strebt der Kaufhof eine Kürzung der Löhne und Gehälter von 3 bis 5 Prozent, die Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld für drei Jahre und eine Erhöhung der Arbeitszeit durch eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche an. Nach dpa-Informationen gab es bereits am Montag einen ersten Kontakt des Unternehmens mit Verdi-Chef Frank Bsirske.

Kaufhof-Chef Link begründete die Notwendigkeit der Einschnitte mit dem dramatischen Strukturwandel im Einzelhandel. Marktanteile wanderten ins Internet ab. Innenstädte würden weniger stark frequentiert und die Gewinnspannen gingen zurück. Daran müsse sich der Kaufhof wie der gesamte Markt anpassen. Er bekräftigte gleichzeitig jedoch die Entschlossenheit des Managements und des kanadischen Kaufhof-Eigentümers HBC, Kaufhof von einem traditionellen Warenhaus in einen modernen, auch im Internetzeitalter erfolgreichen Anbieter umzubauen. Mit dem Beschäftigungssicherungsvertrag wolle Kaufhof die notwendigen Einsparungen erzielen und die Entgeltstrukturen so anpassen, dass die Schere zwischen Lohn- und Umsatzentwicklung beim Kaufhof nicht weiter auseinandergehe.

Kaufhof kommt derzeit nicht zur Ruhe. Die Kette kämpft mit Umsatzrückgängen und Verlusten. Ein Investor hat die Kaufhof-Mutter HBC bereits aufgefordert, sich vom Europa-Geschäft zu trennen.

Insidern zufolge hat der österreichische Karstadt-Eigner Rene Benko seine Fühler nach dem Konkurrenten ausgestreckt. HBC hatte Kaufhof 2015 vom Handelsriesen Metro übernommen, damals hatte Benko das Nachsehen. Spekulationen um eine Allianz von Karstadt und Kaufhof gibt es indes immer wieder. Benko habe weiter Interesse am Kaufhof, hatten Insider Reuters jüngst gesagt. Benkos Gesellschaft Signa hatte zu Wochenbeginn verkündet, 1 Mrd. Euro eingesammelt zu haben, das gesamte Eigenkapital bei Signa Prime summiere sich auf über 4 Mrd. Euro.

HBC hat immer wieder betont, sich nicht von der Kette trennen zu wollen. Dabei läuft es bei Kaufhof nicht rund - der Kreditversicherer Euler Hermes hatte jüngst Insidern zufolge Garantiezusagen für Lieferungen an die Warenhauskette gekürzt. Zudem muss Kaufhof nach der Übernahme höhere Mieten zahlen.

HBC hat Investitionen in die Modernisierung der Kette angekündigt, die Nordamerikaner wollen die Verschränkung zwischen klassischen Warenhaus-Geschäft und den Online-Shops der Kette verbessern. Der seit rund einem halben Jahr als HBC-Europa-Chef amtierende Link hat indes eingeräumt, der Umbau werde noch lange andauern. „Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon“, sagte er jüngst einem Mitarbeiter-Magazin.

Nun spricht Kaufhof mit Verdi über einen neuen Tarifvertrag. Galeria Kaufhof wolle aber keine Abkehr von der Tarifpartnerschaft, Ziel sei vielmehr eine „Atempause“, bis der Umbau vollständig greife. Ein neuer Tarifvertrag sei notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und damit die rund 21.500 Arbeitsplätze zu erhalten, sagte Arbeitsdirektor Herlitzius. Auch Konkurrent Karstadt hatte am Personal gespart. Die Kette hatte den Einzelhandelstarifvertrag gekündigt, ist aber inzwischen in die Tarifbindung zurückgekehrt.




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