Letztes Update am Di, 10.10.2017 14:43

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Frankfurter Buchmesse: Bessere Bedingungen für Verlage gefordert



Frankfurt am Main (APA/dpa/AFP) - Vor der offiziellen Eröffnung der Frankfurter Buchmesse forderte die deutsche Buchbranche von der künftigen Bundesregierung mehr Einsatz für eine unabhängige und lebendige Verlagslandschaft. „Es geht um nichts Geringeres als die Qualität der Bildung“, sagte der Vorsteher des Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller, am Dienstag in Frankfurt.

Nur wenn Verlage auch eine marktgerechte Vergütung erhielten, könnten sie in Literatur und innovative Vertriebsmodelle investieren, sagte Riethmüller. Er kritisierte die vom Bundestag im Sommer beschlossenen Einschränkungen des Urheberrechts. Wenn etwa Kindergärten und Hochschulen bestimmte Anteile von digitalen Werken kostenlos zusammenstellen dürften, sei dies ein schwerer Schlag für die rund 600 Bildungs- und Wissenschaftsverlage.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron wollen am Dienstagabend gemeinsam die 69. Frankfurter Buchmesse eröffnen. In diesem Jahr wird mit einer leichten Steigerung der Ausstellerzahl um gut zwei Prozent gerechnet. Insgesamt werden zur weltgrößten Bücherschau, die vom Mittwoch bis Sonntag dauert, rund 7.300 Anbieter aus mehr als 100 Ländern erwartet, darunter 225 Aussteller aus Österreich, etwas mehr als die Hälfte davon Verlage. Ehrengast ist Frankreich, es sind allein 200 Schriftsteller aus der frankophonen Welt angekündigt. Die Veranstalter rechnen mit insgesamt rund 270.000 Besuchern.

Angesichts eines erstarkten Rechtspopulismus und Fake News komme den Verlagen eine wichtige Rolle zu, sagte Boos. „Wir liberal-demokratisch gesinnte Büchermenschen müssen in Zeiten, in denen ... die Verbreitung von Angst und Hass wieder gesellschaftsfähig wird, mit attraktiven Gegenentwürfen antworten“, sagte Boos. Auch Riethmüller betonte, dass Verlage und Buchhandlungen verlässliche Informationen lieferten und den gesellschaftlichen Dialog förderten.D

Die deutsche Buchbranche beklagte dabei die Einschränkungen der Meinungsfreiheit in der Welt. Dies sei „eine grundlegende Gefahr für die Buchbranche und ihren gesellschaftlichen Auftrag“, erklärte Riethmüller: „In vielen Teilen der Welt werden Medien- und Kulturschaffende von Despoten drangsaliert, inhaftiert und mit dem Leben bedroht.“ „Die Freiheit des Worts ist ein Menschenrecht und die Grundlage einer freien, demokratischen Gesellschaft - die Politik darf sie nicht zum Verhandlungsgegenstand machen“, mahnte Riethmüller.

Dennoch erlebe das Buch seine „weltweit beste Zeit seit 50 Jahren“, sagte der Chef des weltgrößten Publikumsverlags Penguin Random House, Markus Dohle. Die Buchmärkte seien in den vergangenen Jahren in den meisten Ländern langsam, aber kontinuierlich gewachsen und es habe sich eine „gesunde Koexistenz“ zwischen gedruckten und digitalen Büchern entwickelt. Das gedruckte Buch nannte Dohle eine vor ungefähr 600 Jahren von Gutenberg kreierte „Killerapplikation“, die „immer noch genial“ sei.

Besonders positiv stimmt Dohle, dass Kinder- und Jugendbücher in den wichtigen Märkten zu den am schnellsten wachsenden Kategorien zählten. „Geschichten erzählen und Geschichten konsumieren, wird auch in den kommenden Generationen wichtig sein.“ Die Renaissance des gedruckten Buches sei auch erfreulich, weil sie den Buchhandel stabilisiere. Der Buchhändler vor Ort sei immer noch der wichtigste Ort für Leser, um neue Geschichten zu entdecken.

(S E R V I C E - www.buchmesse.de)




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