Letztes Update am Di, 10.10.2017 15:55

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gladbecker Geiseldrama - Chronologie der Ereignisse



Gladbeck (APA/dpa) - Im August 1988 hat das Geiseldrama von Gladbeck Deutschland drei Tage lang in Atem gehalten. Die Bilanz: Drei Tote und zahlreiche Verletzte. Es hagelte Kritik an Politik, Polizei und Medien.

Am Morgen des 16. August 1988 stürmten Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner schwer bewaffnet eine Bank im nordrhein-westfälischen Gladbeck. Sie nahmen zwei Geiseln und forderten einen Fluchtwagen sowie 420.000 Mark. Journalisten gaben sie ein erstes Interview. Kurz nachdem die Kriminellen am Abend mit Geiseln und Geld losfahren, stieg Rösners Freundin zu. Am nächsten Tag kaperten sie in Bremen einen Linienbus und nahmen 35 Geiseln. Sie gaben Interviews und ließen mehrere Geiseln frei.

Als die Polizei Rösners Freundin vorübergehend festhielt, erschoss Degowski eine Geisel, einen 15-jährigen Buben. Bei der weiteren Verfolgung verunglückte ein Polizist tödlich. Die Geiselnehmer ließen den Bus stehen und flüchteten mit zwei Bremer Geiseln in einem Auto. Ein Journalist fuhr in Köln sogar ein Stück mit. Am Mittag des 18. August griff ein Sondereinsatzkommando auf der Autobahn bei Bad Honnef zu. Die 18-jährige Silke Bischoff starb an einer Kugel aus Rösners Waffe.

Rösner und Degowski wurden vor 25 Jahren, im März 1991, zu lebenslanger Haft verurteilt, Rösner mit anschließender Sicherungsverwahrung. Anträge auf Hafterleichterungen und Gnadengesuche wurden bisher ablehnt. Nun kam Degowski nach fast 30 Jahren frei.

Die Polizei überarbeitete ihre Einsatztaktik für solche Szenarien grundlegend. Bremens Innensenator Bernd Meyer (SPD) trat zurück. Die Medien wurden wegen mangelnder Zurückhaltung kritisiert. Der Deutsche Presserat legte später fest, dass es Interviews mit Tätern während des Geschehens nicht geben dürfe.




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