Letztes Update am Di, 10.10.2017 16:46

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Visa-Krise - Erdogan empfängt scheidenden US-Botschafter nicht



Belgrad/Istanbul (APA/dpa) - Der Streit über die gegenseitige Visa-Blockade zwischen den USA und der Türkei eskaliert: Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan griff am Dienstag den scheidenden US-Botschafter in Ankara, John Bass, ungewöhnlich scharf an. „Wir erkennen ihn nicht als den Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika in der Türkei an“, sagte Erdogan am Dienstag bei einem Besuch in Belgrad.

Er warf dem US-Generalkonsulat in Istanbul vor, „Agenten“ beschäftigt zu haben. Erdogan betonte, weder er selber noch seine Minister oder der Parlamentspräsident würden den Diplomaten zum Abschiedsbesuch empfangen. Bass wird neuer US-Botschafter in Afghanistan. Unklar ist, wann er seinen Posten in der Türkei verlässt.

Nach der Verhaftung eines türkischen Mitarbeiters des US-Generalkonsulats in Istanbul vergangene Woche hatten die USA am Sonntag die Vergabe von Visa in ihren Vertretungen in der Türkei auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Die türkische Regierung reagierte, indem sie ihrerseits die Visa-Vergabe an US-Staatsbürger stoppte. Dem inhaftierten Mitarbeiter werden Verbindungen zur Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen vorgeworfen, den die türkische Regierung für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich macht und dessen Auslieferung sie von den USA will.

Bereits vor dem Mitarbeiter der US-Vertretung in Istanbul war im Frühjahr ein weiterer türkischer Mitarbeiter der amerikanischen Vertretung in Adana inhaftiert worden. Nach einem weiteren einheimischen Mitarbeiter des Konsulats in Istanbul wird gefahndet.

Erdogan sagte am Dienstag: „Das alles zeigt uns, dass im Generalkonsulat in Istanbul etwas vorgeht. Amerika muss hier vor allem folgendes untersuchen: Wie sind diese Agenten in das amerikanische Generalkonsulat eingedrungen? Wenn diese Agenten nicht in das amerikanische Generalkonsulat eingedrungen sind, wer hat sie dann dorthin geschleust? Das muss man sich fragen. Kein Staat duldet solche Agenten, die ihn von innen bedrohen.“




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