Letztes Update am Di, 10.10.2017 20:49

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Messer-Angriff in Marseille zeigt Behördenprobleme - Bruder gefasst



Paris/Bern (APA/dpa) - In Verbindung mit der möglicherweise terroristisch motivierten Messer-Attacke von Marseille hat Frankreich Probleme bei einer Behörde eingeräumt. Der Angreifer war einen Tag vor seiner tödlichen Attacke auf zwei Frauen in Lyon aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden, obwohl er keine Aufenthaltserlaubnis hatte.

Eine deshalb von Innenminister Gerard Collomb angeordnete Untersuchung stellte nun „schwere Funktionsstörungen“ des Abschiebeverfahrens bei der Präfektur von Lyon fest. Collomb sagte am Dienstag aber, es habe keinen „individuellen Fehler“ gegeben. Die Regierung kündigte personelle Konsequenzen an. Der Chef der verantwortlichen Behörde soll ausgetauscht werden. Außerdem sollen bis Jahresende 200 zusätzliche Plätze für den Abschiebegewahrsam geschaffen werden.

Der Angreifer hatte am 1. Oktober vor dem wichtigsten Bahnhof von Marseille zwei Frauen erstochen. Soldaten erschossen den 29-Jährigen, der „Allah ist groß“ gerufen haben soll. Die Terrormiliz Islamischer Staat beanspruchte die Tat für sich. Die Hintergründe sind aber noch nicht abschließend geklärt. Zwei Tage zuvor war der Mann in Lyon wegen Ladendiebstahls festgenommen worden, aber bald wieder freigelassen worden. Dies hatte in Frankreich nach der Tat Diskussionen ausgelöst.

Ein Bruder des mutmaßlichen Attentäters von Marseille wurde unterdessen in der Schweiz unter Terrorverdacht festgenommen. Er wurde zusammen mit einer weiteren Person in Chiasso an der Grenze zu Italien gefasst, wie das deutsche Bundesamt für Polizei am Dienstag mitteilte. Bei den beiden bereits am Sonntag festgenommen Personen handle es sich um ein Paar, hieß es.

Ob der Bruder mit dem Attentat in Marseille etwas zu tun hatte, sei bisher unklar. Er sei ausländischen Polizeibehörden aber wegen Verbindungen zu jihadistischen Terrororganisationen bekannt gewesen. Beide Personen hätten die innere Sicherheit der Schweiz gefährdet und würden nach Tunesien ausgewiesen, sagte eine Sprecherin des deutschen Bundesamtes.




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