Letztes Update am Mi, 11.10.2017 07:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Olympia 2026: Stoss glaubt an Ja-Votum - „Chance einmalig“



Wien/Innsbruck (APA) - Zehn Jahre nach dem Scheitern von Salzburg bei der Olympia-Vergabe 2014 fällt am Sonntag die Entscheidung, ob Innsbruck ins Rennen um die Winterspiele 2026 geschickt werden soll. ÖOC-Präsident Karl Stoss glaubt an ein Ja-Votum der Tiroler Bevölkerung und die Chance, das Großereignis bei der IOC-Abstimmung 2019 auch tatsächlich nach Innsbruck holen zu können.

„Die Chance wäre so einmalig und so groß wie schon lange nicht mehr“, betonte Stoss. Schließlich hätten europäische Bewerber nach den Winterspielen 2010 in Vancouver, 2014 in Sotschi, 2018 in Südkorea und 2022 in Peking diesmal ausgezeichnete Karten. Diesbezügliche Aussagen von IOC-Chef Thomas Bach bestärken Stoss. „Es ist nun wirklich an der Zeit, dass die Spiele wieder an einen traditionellen Wintersportort zurückkehren“, hatte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) jüngst bei einem Gastvortrag in St. Gallen erklärt.

In der Schweiz - wo heuer eine Volksabstimmung in Graubünden negativ ausgefallen ist - hat Sion Interesse an 2026 bekundet. Auch Stockholm und Calgary sind interessiert. Mögliche weitere Bewerber sind Mailand, Sapporo, Erzurum und das zuletzt Peking in einer Zweier-Abstimmung unterlegene Almaty. Wer als Kandidat zugelassen wird, entscheidet das IOC im Herbst 2018. Die Abstimmung über die Vergabe erfolgt im September 2019.

Innsbruck könne mit seinem Konzept redimensionierter Spiele samt ausgelagerter Bewerbe in bereits bestehende Wettkampfstätten im Ausland punkten, ist Stoss überzeugt. In diesem Zusammenhang verwies der Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) auf das allgemeine Einverständnis, vom Gigantismus abzurücken.

„Ich spüre auch vom IOC aufgrund der bisherigen Gespräche den Wunsch, vom Gigantismus, wie wir es in Sotschi hatten, wie in Pyeongchang und Peking, wegzukommen. Der Wunsch, die Spiele überschaubarer, maßvoller zu gestalten, ist ganz, ganz groß. Das sagen auch die Verbände wie die FIS“, sagte Stoss zur APA - Austria Presse Agentur.

Das Innsbrucker Durchführungsbudget sei mit 1,170 Milliarden Euro berechnet worden und könne durch Einnahmen gedeckt werden, bekräftigte Stoss. „Wir gehen ja nicht blind in die Bewerbung, die Machbarkeitsstudie war eine Inventur. Das Konzept ist so aufgebaut, dass die Ausgaben determiniert werden durch die Einnahmen“, erläuterte der seit 2009 amtierende ÖOC-Chef. Das IOC steuere mindestens 787,50 Millionen Euro als Unterstützung bei. Den Rest sollen nationale Sponsoren, Eintrittskarten, Lizenzen und Merchandising wettmachen.

Stoss stellte auch klar, dass im Budget nicht alle tatsächlichen Kosten der Öffentlichen Hand miteinbezogen wurden. „Nicht mitkalkuliert ist natürlich das gesamte Thema der Sicherheitskosten. Im Budget ist nur die Sicherheit der Sportstätten enthalten, nicht die Luftraumüberwachung.“ In diesem Zusammenhang führte er die ebenfalls hohen Sicherheitskosten der Fußball-EM 2008 als Vergleichsbeispiel an. Für eine mögliche Olympiabewerbung 2026 hat der Bund jedenfalls vor einigen Monaten eine Unterstützungs- und Finanzierungszusage in einem noch nicht genannten Ausmaß gegeben.

Ungeachtet der von Kritikern geäußerten Vorbehalte, machte Stoss bei zahlreichen Informationsveranstaltungen und Auftritten in Tirol viel Zustimmung aus. „Es geht in eine positive Richtung. Es kann natürlich auch knapp werden, das sagen auch einige Politiker. Ich glaube, dass es 55 bis 60 Prozent pro ausgeht“, meinte Stoss, der sich mit seinen Mitarbeitern seit Wochen quasi im Wahlkampfmodus befindet. „Wir lassen es nicht mit Willenskundgebung sein, man muss wirklich rennen.“

Nach dem Beschluss der Politik, das Volk zu befragen, sei Informationsarbeit gefragt gewesen. „Dazu muss man das Volk aufklären und informieren. Was bringt es, was birgt es für Risiken. Es lohnt sich, dafür zu rennen, sich einzubringen, das sehe ich auch als Teil meiner Aufgabe. Aber ich mache das ja nicht alleine und habe ein ausgezeichnetes Team“.

Mit der Unterstützung durch die Landes- und Kommunalpolitik in Tirol zeigte er sich grundsätzlich zufrieden. „Man kann immer mehr machen, wir tun unser Bestmögliches“, meinte der ÖOC-Chef. Die Stimmung in Innsbruck und im Rest des Landes sei unterschiedlich. „In den Gemeinden spürt man ein starke Unterstützung, die Zustimmung ist klar erkennbar. Schwieriger wird es, wenn man nach Innsbruck schaut.“

Ein gewisses Zurückhalten der Politik sei angesichts der im kommenden Jahr anstehenden Landtags- und Gemeinderatswahlen in Innsbruck irgendwie verständlich. Führende Landespolitiker hätten jedoch sehr wohl „klar Flagge“ pro Olympia gezeigt. „Es ist nicht so, dass sie sich zurücklehnen, sie bringen sich ein.“




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