Letztes Update am Mi, 11.10.2017 10:40

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tennis: Jürgen Waber zu ÖTV-Damen-Krise: „Wir haben null Breite“



Linz (APA) - Österreichs beste Tennisspielerin liegt auf Platz 171. Neben Barbara Haas scheint nur noch Julia Grabher als 285. in den Top 500 der WTA-Rangliste auf, und insgesamt sind aktuell überhaupt nur neun ÖTV-Spielerinnen im Ranking vertreten. Die Situation im rot-weiß-roten Damen-Tennis war wohl noch nie so trist wie derzeit.

Zudem ist auch Tamira Paszek praktisch das ganze Jahr ausgefallen und mittlerweile auch im Ranking nicht mehr vertreten. Die ehemalige Nummer 26 der Welt, dreifache Turniersiegerin und zweifache Wimbledon-Viertelfinalistin laboriert an einer Trigeminusneuralgie, einer schmerzhaften Nervenerkrankung im Gesicht. Die bald 27-jährige Vorarlbergerin muss völlig von vorne anfangen und konnte wegen ihrer Erkrankung auch nicht trainieren.

Paszek war dieses Jahr lediglich zweimal auf ITF-Ebene (beide Matches musste sie aufgeben) auf dem Platz zu sehen, sonst postete sie auf Twitter u.a. von Erholungsurlauben auf Mauritius oder Mallorca. Aus gutem Grund: Die Ärzte hatte ihr wegen der Trigeminusneuralgie viel Zeit in der Sonne angeordnet, da dies dem Heilungsverlauf dienlich sein soll. Bis zum April 2019 hat sie noch ein „geschütztes Ranking“ von 199.

Während die Rückkehr der Vorarlbergerin also in den Sternen steht, hoffen Österreichs Tennisfans auf den Durchbruch der 21-jährigen Haas. Denn auch im jüngeren Nachwuchs sieht es für die nächsten paar Jahre alles andere als vielversprechend aus.

ÖTV-Fed-Cup-Kapitän Jürgen Waber ist Trainer von Haas und kümmert sich im Leistungszentrum in Linz auch um Grabher. Demnächst wird die 14-jährige Kärntnerin Daniela Glanzer ebenfalls bei ihm mittrainieren. „Ich bin nur für die Spielerinnen verantwortlich, mit denen ich arbeite. Ich habe schon vor zehn Jahren vor der Lücke, die entsteht, gewarnt.“ Neben Haas und Grabher gebe es nur noch Mira Antonitsch. Die 18-Jährige ist derzeit selbst wegen einer langwierigen Knöchelentzündung seit einigen Monaten rekonvaleszent. „Alle anderen fallen weg. Das wird sich nicht ändern, es wird ja nicht besser. Ich hoffe, dass Barbara und Julia gesund bleiben.“

Grundsätzlich, so Waber, hätten alle Österreicherinnen zuvor auch immer eine Zeit gebraucht. Explosionsartige Entwicklungen wie etwa bei der 20-jährigen Lettin Jelena Ostapenko, die in diesem Jahr sensationell die French Open gewonnen hat, sind auch international eher die Ausnahme. Waber weiß von einer nur 0,8-prozentigen Chance, dass ein Mädchen zwischen 18 und 23 den Sprung in die Top 100 schafft. „Das ist halt nicht so leicht.“

Und wenn dann auch noch viel zu wenige Mädchen mit dem Sport beginnen, wird es noch schwieriger. „Nur aus einer Breite entsteht Spitze und wir haben null Breite“, stellt Waber klar. Und die Breite entstehe eben nicht im ÖTV, nicht in Linz oder nicht durch Barbara Haas, sondern in den Landesverbänden. „Dort muss vom siebenten bis zum 14. Lebensjahr auf Teufel komm raus gearbeitet werden“, so Waber.

Immerhin gebe es im U12- und U14-Bereich „Mädchen, die vernünftig Tennis spielen“. Diese müssten nun ordentlich weiterarbeiten. Grundsätzlich sei bei einer Karriere aber eben auch nicht alles planbar. „Es gehört auch das notwendige Glück dazu.“

Sein Hauptaugenmerk liegt auf Haas, die Mittwochnachmittag ihren ersten Einsatz in Linz hatte. Auch da steht noch viel Arbeit bevor. „Barbara trifft die Bälle etwas zu weit vorne. Sie muss sie etwas mehr im Aufsteigen nehmen.“ Ein Schlägerwechsel zu Babolat, der ihren Spin verbessern soll, ist bereits erfolgt. Zudem hat ihr vor Kurzem der neue Sponsor EnergieAG das Vertrauen geschenkt.

Nun folgt der Weg zu noch mehr Aggressivität. „Sie muss ihre Einstellung ändern und wie sie unter Stress ihre Entscheidungen trifft“, weiß der 46-jährige Oberösterreicher. Gearbeitet wird an der Power, der Schnellkraft und der Spritzigkeit. Zudem ist es das Ziel, das Haas rund drei Kilogramm an Muskelmasse zulegt. „Sie ist sicher die fitteste Spielerin in Österreich, aber das ist ja keine Kunst. Von den Topspielerinnen ist sie noch weit entfernt.“




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