Letztes Update am Mi, 11.10.2017 11:07

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


steirischer herbst: Das Leben im Sperrgebiet als Selbstzweck



Graz (APA) - Die Gruppe Berlin hat am Dienstag im Rahmens des „steirischen herbstes“ mit „Zvizdal“ ein berührendes Zustandsbild über das Leben im Sperrgebiet von Tschernobyl gezeichnet. Der Film, der durch Miniatur-Modelle ergänzt wurde, schildert den Alltag eines Ehepaares, das das Heimatdorf nie verlassen hat und der immer mehr verödenden Gegend das Nötigste zum Leben abringt.

Nach der nuklearen Katastrophe wurde das Gebiet um das Kraftwerk zum Sperrgebiet erklärt und die Bewohner ausgesiedelt. Im Dorf Zvizdal ist ein altes Ehepaar übrig geblieben, das seit mehr als 80 Jahren dort lebte und sich weigerte, das eigene Anwesen zu verlassen. Fünf Jahre lang filmte die Gruppe Berlin die beiden zu unterschiedlichen Jahreszeiten und zeigt in eindringlich-statischen Bildern, wie das Leben in der immer mehr verwildernden Natur abläuft.

Strom, Telefon, Fernsehen - all das liegt für die beiden alten Leute in weiter Vergangenheit, sie kämpfen seit 30 Jahren mit immer mehr nachlassenden Körperkräften gegen die Natur, die nach und nach das ehemalige Dorf zurückerobert. Der Hof selbst ist teilweise verwildert, verwahrlost, verödet, die Tiere mager, das Essen eintönig. Ein paar Kartoffel werden angebaut, alles unendlich mühsam und nicht immer erfolgreich. Trotzdem wollen sie nicht weg, auch wenn die Einsamkeit und der harte Überlebenskampf beiden sichtlich zu schaffen macht. Dass zwischendurch immer wieder Humor, ein wenig Bosheit und eine stoische Hinnahme des Schicksals sichtbar wird, ist der behutsamen Arbeit mit der Kamera und dem respektvollen Umgang der Künstler mit dem Paar zu verdanken.

Bei der Aufführung befinden sich unter der in der Saalmitte aufgestellten Leinwand drei Modelle des Anwesens des Ehepaares, die Frühling, Winter und Herbst zeigen und in den Film hineingeschnitten werden. Die kleine, abgegrenzte Welt wird dadurch ersichtlich, der Wechsel der Perspektiven lässt die Realität noch härter erscheinen. Eine ruhige Arbeit, die aber gerade durch die lange, sorgfältige Entwicklung des Projekts ungemein eindringlich wirkt.

(S E R V I C E - http://www.steirischerherbst.at)




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