Letztes Update am Mi, 11.10.2017 11:37

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prozess gegen 34-jährigen Terrorverdächtigen in Salzburg vertagt



Salzburg (APA) - Der Prozess am Landesgericht Salzburg gegen einen 34-jähriger Iraker wegen des Verdachtes der Mitgliedschaft an einer terroristischen Vereinigung ist heute, Mittwoch, gleich nach Verhandlungsbeginn wegen einer Panne auf 23. Oktober vertagt worden. Die Vorsitzende des Schöffensenates erklärte, aufgrund eines Fehlers seien die Schöffen nicht geladen worden.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, er sei von Dezember 2014 bis Oktober 2015 Mitglied des „Badr Corps“ gewesen, das als eine schiitische Terrororganisation eingestuft wird. Der Asylwerber wurde am 23. Jänner 2017 in einer Flüchtlingsunterkunft in Salzburg festgenommen.

Die Ermittler hatten auf einem sichergestellten Handy ein manuell gelöschtes Foto wiederhergestellt. Es zeigt den Angeklagten in einer Kampfausrüstung mit dem Wappen des „Badr Corps“, das gegen den „Islamischen Staat“ (IS) kämpft. Das Foto soll offenbar im Irak aufgenommen worden sein. Der Beschuldigte hat bisher bestritten, aktives Mitglied dieser Gruppierung gewesen zu sein. Er war laut Polizei im Jahr 2015 über die Balkanroute nach Österreich gereist und hatte unter falschem Namen einen Asylantrag gestellt.

Der Iraker war zudem im Herbst 2016 in jener Flüchtlingsunterkunft in Fuschl (Flachgau) untergebracht, in der ein 25-jähriger Mitbewohner aus Marokko im Dezember 2016 wegen Terrorverdachtes festgenommen wurde. Die Ex-Freundin des 25-Jährigen hatte der Polizei geschildert, der Marokkaner plane zum Jahreswechsel einen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Salzburg. Im Zuge einer Hausdurchsuchung am 19. Dezember wurden mehrere Mobiltelefone sichergestellt, darunter auch jenes des Irakers. Wie sich bald herausstellte, hatte die Ex-Freundin des Marokkaners falsche Angaben gemacht. Der 25-Jährige wurde nach Marokko abgeschoben.

Aufgrund erhöhter Sicherheitsmaßnahmen war heute für den Prozess gegen den Iraker ein Großaufgebot an rund 20 Polizisten, darunter die Sondereinheit Cobra, am Landesgericht präsent. Der Verteidiger des Angeklagten möchte beweisen, dass es sich beim „Badr Corps“ nicht um eine Terrororganisation handle, sogar irakische Regierungsmitglieder würden dieser Organisation angehören, meinte der Rechtsanwalt im Vorfeld der Verhandlung.




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