Letztes Update am Mi, 11.10.2017 12:07

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Arzneimittelentwicklung 2 - Zusammenarbeit mit akademischer Forschung



Wien (APA) - In der Entwicklung eines neuen Medikaments können aber auch nicht-medizinische Fallstricke dessen „Karriere“ beenden: zum Beispiel einfach eine Managemententscheidung. Der Wirkstoff Imatinib, der die Behandlung der chronisch myeloischen Leukämie revolutioniert hat, stand immer wieder vor dem „Abschuss“. Unternehmen werden aufgekauft, ihre Projekte werden dann längst nicht immer weiterentwickelt.

„Man braucht auch viel Durchhaltevermögen“, sagte Apeiron-Geschäftsführer Hans Loibner. Die Erfolgsgeschichte des Neuroblastom-Medikaments Dinutuximab durch Apeiron sei beispielsweise nur durch die enge und sechs Jahre lang dauernde Zusammenarbeit mit der akademischen Forschung - der St. Anna Kinderkrebsforschung in Wien und der europäischen Studiengruppe SIOPEN - zurückzuführen. „Die Zulassung gelang durch gemeinsame Anstrengung der Partner und Berater trotz dafür sehr beschränkter finanzieller Mittel, auf innovativen Wegen und gegen eine scheinbar übermächtige US-Konkurrenz“, erzählte der Manager.

Apeiron hat mit der potenziellen Wirksubstanz APN411 eine möglicherweise zukunftsweisende Therapieform bei Krebs in Entwicklung - derzeit noch im Tierversuch. Sie basiert auf Forschungen von Josef Penninger zu dem „Immunschalter“ cbl-b. Es aktiviert in Natural Killer Cells, also in Immunzellen, deren Aggressivität oder schaltet deren Funktion ab. Hemmt man cbl-b werden die Immunzellen scharf gemacht.

„Die immunologische Checkpoint-Blockade wird derzeit klinisch mit neuen monoklonalen Antikörpern gegen dafür gefundene Oberflächen-Antigene auf Immunzellen durchgeführt“, sagte Loibner. Das sind die CTLA-4- oder PD1/PD-L1-Blocker, die als monoklonale Antikörper auf dem Markt oder in Entwicklung sind. Das Problem liegt darin, dass diese Biotech-Medikamente sehr kompliziert in der Herstellung und damit auch hochpreisig sind. cbl-b hingegen wird von Apeiron in Zusammenarbeit mit Evotec und der Wirkstoffbibliothek dieses deutschen Unternehmens über ein kleines Molekül, das in den Zellen wirkt, anvisiert. Synthetisch herstellbare Wirkstoffe sind einfacher zu produzieren. Als Kooperationspartner für die Entwicklung von APN411 kam für Apeiron im Juli 2015 Sanofi hinzu. Ende dieses Jahres wird der Konzern über die komplette Übernahme des Projektes zur weiteren Entwicklung bis zur Zulassung entscheiden.

APN411 blockiert cbl-b, fördert damit die Aggressivität von Immunzellen und könnte laut Loibners Vision zu einer „Pille am Nachtkastl“ zur gezielten Stärkung des Immunsystems zum Kampf gegen Krebs werden. Mit dem Prinzip der Immuntherapie bei Krebs arbeite man nicht gegen den Krebs, sondern fördere die Abwehrkräfte - was ein ganz anderer Denkansatz sei, meinte der Experte. Und wenn alle Arbeiten dazu so logisch ablaufen wie sie rational geplant worden sind, könnte das Erfolg bedeuten. Aber das heißt noch lange nicht, dass das so sein muss.




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