Letztes Update am Mi, 11.10.2017 12:43

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sarkome - Behandlung möglichst nur in spezialisierten Zentren



Wien (APA) - Pro erkranken in Österreich rund einige hundert Menschen an Knochen- oder Weichteilsarkomen. Für das Überleben der Betroffenen ist eine möglichst frühzeitige Diagnose entscheidend. Die Therapie und die Nachsorge sollten faktisch immer an einem spezialisierten Zentrum erfolgen, betonten Dienstagabend Wiener Experten bei einem Hintergrundgespräch des Comprehensive Cancer Center (MedUni Wien/AKH).

Die Zahl der Neudiagnosen bei Sarkomen beträgt in Österreich rund 300 pro Jahr. Die meisten Erkrankungen - rund 240 - entfallen davon auf die Weichteilsarkome, bei denen sich der Tumor aus dem Bindegewebe entwickelt. Im Vergleich dazu noch einmal seltener sind Knochensarkome. Ein Charakteristikum ist die enorme Diversität dieser Erkrankungen. „Wir kennen bei allen Sarkomen etwa 70 verschiedene Formen“, sagte Thomas Brodowicz, Onkologe und Spezialist für muskuloskelettale Tumoren der Universitätsklinik für Innere Medizin I.

Diese Heterogenität macht die an sich insgesamt schon relativ seltenen Krebsleiden einzeln zu klassischen „Seltenen Erkrankungen“. „Gerade deshalb sollten diese Patienten möglichst früh an ein spezialisiertes Zentrum kommen, wie wir am AKH eines sind“, sagte Reinhard Windhager, Vorstand der Universitätsklinik für Orthopädie der MedUni Wien/AKH. Nur durch die Konfrontation mit entsprechenden Fallzahlen bei den einzelnen Erkrankungen könne man ausreichend Erfahrung für die optimale medizinische Versorgung der Patienten sammeln. „Das hängt auch an der adäquaten Zuweisung bei Personen mit einem Sarkomverdacht durch die niedergelassenen Ärzte an unsere Klinik“, betonte Windhager. Am CCC wurde eine eigene Musculoskeletal Tumors Unit (CCC-MST) etabliert, wo alle für Diagnose, Therapie und Nachsorge benötigten Spezialisten bei jedem einzelnen Patienten zusammenarbeiten und auch auf die Erfahrungen und das Spezialwissen von ähnlichen Zentren auf internationaler Ebene leicht zugreifen können. Chirurgie, Strahlen- und Chemotherapie, Pflege, Physiotherapie etc. greifen dabei in einander.

Speziell in der medikamentösen Therapie fortgeschrittener Weichteilsarkome ergeben sich derzeit nach der Etablierung der Chemotherapie durch die sogenannte zielgerichtete Behandlung, klassische monoklonale Antikörper und - neuerdings - durch die moderne Immuntherapie (Checkpoint-Inhibitoren) neue Möglichkeiten. Sowohl beim Osteosarkom (Knochensarkom) als auch bei den Weichteilsarkomen zeigen die wissenschaftlichen Daten, dass Patienten, die an spezialisierten Zentren behandelt werden, bessere Heilungs- und - wenn eine kurative Therapie nicht mehr möglich ist - eine höhere Lebenserwartung und eine bessere Lebensqualität haben. Das lässt sich bei Sarkomen der Extremitäten auch an den Amputationsraten ablesen.

Bei pro Jahr rund 225 Neuzugängen an Patienten bei den Spezialisten im Wiener AKH scheint die Zuweisungspraxis der niedergelassenen Ärzte bei Patienten mit Sarkomverdacht bereits recht zu gut zu sein. „Aber es könnte noch besser sein“, meinte Windhager. Gerade bei Weichteilsarkomen, die sich häufig oberflächlich als bewegliche Knoten entwickeln, wäre aber frühe Aufmerksamkeit der Betroffenen selbst entscheidend: Eine entstehende „Beule“, die wächst und womöglich einen Durchmesser von fünf Zentimetern übersteigt, sollte möglichst schnell zum Arzt führen.




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